Mittwoch , 5 Oktober 2022
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Bedeutung und Segen des Pilgerbesuches

Es ist wieder Muharram und wir betrauern den Märtyrertod von Imam Husain (F) und seinen treuen Helfern. Dieser Imam hat mit seinem Aufbegehren gegen das Unrecht viele Seelen geheilt. Der Kampf Imam Husains (a) ist wie ein heller Blitz am dunklen Horizont der Menschheit, der den Geist aus den Fesseln der Ignoranz befreit. 

Die Stadt Karbala in Irak ist in diesen Tagen Gastgeber von zahlreichen muslimischen Pilgern aus verschiedenen Ländern. Die spirituelle Atmosphäre in Karbala wird unterstrichen von den Ansprachen der Prediger, dem Klang des Koranvortrags und den Bittgebeten auf den Lippen der Pilger. Du hörst verschiedene Sprachen und siehst verschiedene Nationalitäten, und dennoch fühlt sich keiner fremd hier.  Jeder bringt auf seine Weise seine Bewunderung für Imam Husain zum Ausdruck. Die einen verrichten ein Pilgergebet und andere lesen laut aus dem Koran. Andere siehst du am Schrein des Imams Tränen vergießen oder still in der Heilige Pilgerstätte oder den umliegenden Säulengängen sitzen. Viele kommen mit kummererfülltem Blick herbei und kehren erfüllt mit Hoffnung von dem Pilgerbesuch zurück. Sie haben den Fuß in diese Ära gesetzt, um Trost zu finden und Hoffnung zu schöpfen und sie finden bedingungslos Aufnahme. Die Pilgergäste spüren innere Verbundenheit mit dem Imam. Sie klagen ihm ihre Sorgen, damit er bei Gott für sie vermittelt. 

Ein Pilgerbesuch ist ein religiöser Brauch und eine persönliche Erfahrung. Diesen Brauch gibt es bei fast allen Religionen. Die Menschen verspüren an religiösen Stätten Friede und Sicherheit.  Solche Wallfahrten nehmen im Islam einen besonderen Platz ein und sind den Muslimen wichtig. Der Gläubige taucht am Pilgerort in eine Atmosphäre der Geistigkeit und Einmütigkeit ein. Am Pilgerort sind die Bedingungen für eine nahe und aufrichtige Beziehung zu Gott gegeben. Der Pilger spürt, dass seine Bittgebete dort bald erhört werden und so trägt er Gott, dem Allbarmherzigen und Gnädigen, inständig seine Bitten vor.

Einige Psychologen weisen noch auf andere heilsame Effekte für den Pilger hin, nämlich dass der Pilger sich nach dem Vorbild des großen Menschen, zu dessen Ruhestätte er gekommen ist, richten wird und seinem Leben ein Ziel und ein Konzept zugrunde legt, welches ihm zum Wohle gereicht. Auf diese Weise wird die seelische Gesundheit gestärkt. 

Husain ibn Ali (a) gehört zu diesen großen Persönlichkeiten, die als Vorbild dienen. Er ist ohne Makel und stammt aus der Familie des Propheten. Er ist der Sohn Imam Alis und Fatimas der Tochter des Propheten (Friede sei mit beiden). Imam Husain ist moralisch vollkommen. 50 Jahre nach dem Propheten (s), als viele Abweichungen von der Religion üblich und die Lehren des Propheten in Vergessenheit geraten waren, hat er auf dem Gipfel der Opferbereitschaft für die Sache Gottes und für die Wahrheit gestanden. Er hat die ganze Menschheit angesprochen, als er sagte:

Die Merkmale eines edlen Lebens sind Freiheit und Ehre, Edelmut, Gerechtigkeit und das Streben nach Vervollkommnung. Durch sie verewigt sich der Mensch. Gebt euch Mühe auf diese Weise zu leben!

Imam Husain (a) geht selber mit bestem Vorbild für diese Lebensweise voran. Sein Mut und heroischer Kampf gegenüber dem Unrecht werden immer die Geschichte schmücken.  Dieses goldene Blatt lehrt uns Mut und Tapferkeit, das Streben nach der Wahrheit, Selbstopfer und Opferbereitschaft.  Der Prophet hat über Husain (a) gesagt:

„In den Herzen der Gläubigen verbirgt sich eine tiefe Zuneigung zu Husain. Er ist eine der Paradiespforten. Bei dem, in dessen Hand mein Leben liegt:  Husain wird in den Himmel mehr als auf der Erde geehrt. Er ist die Zierde von Himmel und Erde.“

Der Besuch der Grabstätte Imam Husains, ist der Besuch eines hervorragenden Menschen, eines lebendigen, wachen und zum Leben erweckenden Menschen. Husain (a) nimmt einen besonderen Platz ein. Muawiya ibn Wahhab – ein naher Helfer des Imam Sadiq (Friede sei ihm) berichtet:

„Ich war bei diesem Edlen (Imam Sadiq). Er saß in seiner Gebetsnische und sprach ein Bittgebet zu Gott. In seinem Bittgebet betete er für die Pilger zum Grabe Husains (a):

` O Gott vergib den Pilgern zum Grabe Husains, jene, die dafür Geld ausgegeben und ihren Leib dafür in Gefahr gebracht haben … Gott erbarme dich der Gesichter, die von der Sonne verbrannt wurden und die dem Grab des Abu Abdullah zugewandt sind, und erbarme dich der Augen, die in Liebe für uns Tränen vergießen… O Gott ich vertraue dir diese Seelen und diese Leiber an, bis wir am Kauthar(paradies)brunnen zusammentreffen…`“

Ein wichtiger Effekt des Pilgerbesuches liegt darin, dass der Mensch Gott näherkommt und eine höhere seelische Stufe erreicht. Gläubige Menschen hüten sich vor einer Lebensweise, die ihrer Persönlichkeit schadet. Die Audienz an Heiligen Gräbern hilft ihnen dabei.  Wenn jemand, der mit Mängeln behaftet ist, sich einem Menschen gegenübersieht, der das menschliche Ideal erreicht hat, wächst in ihm der Wunsch, sich selber auch zu vervollkommnen und sich Gott zu nähern.  Abu Said Abu-l Cheir, der bekannte Mystiker des 4. und 5. Jahrhunderts nach der Hidschra, (10. bzw. 11. Jahrhundert nach Christus) fragte einmal Abu Ali Sina (Avicenna) den großen Philosophen seiner Epoche darüber, welche Rolle der Pilgerbesuch spielt, und dieser sagte:

„Auf einer Pilgerreise wird der Geist ruhiger und die innere Sammlung wächst und dies führt in die Nähe Gottes.“ (Awwalin Daneschgah wa Acherin Payambar) neupersisch, Bd. 2. S.37)   

Die spirituelle Beziehung zu dem großen Menschen, dessen Grab er besucht, weitet dem Pilger das Herz für ein aufrichtiges inniges Gebet zu Gott und während er Gott zugewandt ist, bittet er Ihn um Vergebung und fasst den Entschluss, reuevoll umzukehren und sich den Reihen der Rechtschaffenen anzuschließen.

Scheich Mohammad Hasan Nadschafi, der Autor des Buches Dschawahir ul Kalam (18. Jahrhundert nach Christus), schreibt:

„Es gebührt sich für einen Pilgerbesuch, dass der Pilger danach besser ist als vorher.“

Der geistige Wandel des Pilgers ist ein Zeichen für den Einfluss der spirituellen Anziehungskräfte in Umgebung der Grabstätte eines Propheten oder eines der Makellosen Imame.

Der Pilger zum Grab Abu Abdullah al-Husain (Friede sei mit ihm) verspürt nach der Audienz eine erstaunliche innere Freude und Ruhe. Darüber hat Imam Sadiq (Friede sei mit ihm) gesagt:

„Wahrlich! Husain ibn Ali (Friede sei mit ihm) blickt von seinem Herrn aus auf seine Pilger, wobei er sie und ihre Namen und die Namen ihrer Väter und deren Stufen bei Gott genau und besser kennt als irgendeiner von euch seine Kinder kennt. Und wahrlich sieht Imam Husain (Friede sei ihm) wer in Karbala unterkommt (um den Pilgerbesuch zu machen) und er bittet für ihn bei Gott um Vergebung und er bittet seine edlen Vorväter, dass sie für ihn um Vergebung bitten und spricht: `Wenn mein Pilger wüsste, was Gott für ihn vorbereitet hat, würde seine Freude größer sein als sein Kummer`. Und wahrlich wer von der Audienz für Imam Husain (Friede sei mit ihm) zurückkehrt, der kehrt zurück, ohne dass noch irgendeine Sünde an ihm haftet.“ (Wasail ul Schia (Bd. 14, Seite 423) 

So kommt es, dass der Pilgerbesuch einer der wirksamsten Wege ist, die wahren menschlichen Werte im Menschen ins Leben zu rufen und ihn mit dem Geist der Gott-Dienstbarkeit und innerer Zuversicht zu erfüllen. Das Pilgergebet lehrt uns die Freundschaft zum Propheten (s) und den Edlen aus seinem Hause. Die Wallfahrt beruhigt die Seele und sie verknüpft den Pilger so eng mit den Freunden Gottes, dass er das Gefühl hat, dass ihm nach Gott niemand noch nähersteht und freundlicher zu ihm ist als der großartige Mensch, dessen Grab er besucht hat. Die bewusst erlebte Wallfahrt stärkt die Religiosität und den Glauben und die Beziehung zu Gott.

Der Muslim, der die Statthalter Gottes besucht und das Pilgergebet spricht, erkennt in ihnen das wahre Vorbild für Frömmigkeit und für die Erreichung seines Schöpfungsziels.  Je größer seine Erkenntnis ist, desto konstruktiver wird es für ihn sein, das Gebet zur Audienz der Gottesfreunde zu sprechen.  Jahr für Jahr wächst die Bedeutung der Pilgerfahrt zu Imam Husain (a) und nimmt die Zahl der Pilger, die seinem Vorbild folgen und die Geschichte mit Glauben und tapferen Taten schmücken, zu.  In diesen Tagen sprechen die Muslime beim Lesen des Pilgergebetes Imam Husain (a) ihre Bewunderung aus. Sie grüßen ihn und bitten ihn darum, Fürbitte bei Gott einzulegen:

Der Friede sei mit dir, o Abu Abdullah!
und mit jenen Seelen, die sich in deinem Hof versammelt haben.
Der Friede Allahs sei mit euch allen zusammen von mir, für immerwährend, solange ich existiere und solange Nacht und Tag existieren.
Und möge Allah dieses Versprechen nicht zu meinem letzten machen, euch zu besuchen.
Der Friede sei mit Hussein und mit Ali ibn Husain, und mit den Kindern von Husain und mit den Gefährten von Husain.

لسَّلامُ عَلَیْکَ یا اَبا عَبْدِاللهِ وَعَلَی الاَرْواحِ الَّتی حَلَّتْ بِفِنائِکَ عَلَیْکَ مِنّی سَلامُ اللهِ اَبَداً ما بَقیتُ وَبَقِیَ اللَّیْلُ وَالنَّهارُ وَلا جَعَلَهُ اللهُ آخِرَ الْعَهْدِ مِنّی لِزِیارَتِکُمْ، اَلسَّلامُ عَلَی الْحُسَیْنِ وَعَلی عَلِیِّ بْنِ الْحُسَیْنِ وَعَلی اَوْلادِ الْحُسَیْنِ وَعَلی اَصْحابِ الْحُسَیْن.»

 

 

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