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Begriffserklärung „wissensbasiert“

1986 hat der amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer von der Stanford Universität unterstrichen, dass im Gegensatz zu der neoklassischen Wirtschaftstheorie, laut der die Arbeitskraft und das Kapital die Schlüsselrolle bei der Produktion spielen, das Wissen als dritter Faktor eine wichtigere Rolle für weiterentwickelte Wirtschaftssysteme übernimmt. Romer bezeichnet das Wissen als ein Kapital und ist der Ansicht, dass eine nachhaltige langfristige Entwicklung der Wirtschaft nur durch Zugrunde legen von Wissen möglich ist.

Die wissensbasierte Wirtschaft ist auch als charakteristisches Merkmal für die vierte Epoche der Industrialisierung angeführt worden. Sie wird als Wirtschaft definiert, in der Wissen der Hauptfaktor für das Wirtschaftswachstum bildet. Es ist eine Wirtschaft, in der Wissen erworben, produziert und verbreitet sowie effektiv für die wirtschaftliche Weiterentwicklung eingesetzt wird. 

Ayatollah Chamenei hat das laufende Jahr 1401 unter das Motto „Produktion: wissensbasiert und arbeitsplatzschaffend“ gestellt. Wir wollen uns nun näher anschauen, wie wissensbasierte Produktion und Wirtschaft definiert werden.

Mit dem Jahresmotto für 1401 (iranischer Kalender) sollen zwei Seiten der angestrebten Produktion hervorgehoben werden, nämlich dass sie wissensbasiert sein und Arbeitsplätze schaffen soll.

Imam Chamenei sagte in seiner Neujahrsansprache, durch jede Produktion entstünden natürlich auch Arbeitsplätze aber einige Produktionen seien, obwohl sie große Investitionen erfordern, nicht so beschäftigungsintensiv wie andere.

1986 hat der amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer von der Stanford Universität unterstrichen, dass im Gegensatz zu der neoklassischen Wirtschaftstheorie, laut der die Arbeitskraft und das Kapital die Schlüsselrolle bei der Produktion spielen, das Wissen als dritter Faktor eine wichtigere Rolle für weiterentwickelte Wirtschaftssysteme übernimmt. Romer bezeichnet das Wissen als ein Kapital und ist der Ansicht, dass eine nachhaltige langfristige Entwicklung der Wirtschaft nur durch Zugrunde legen von Wissen möglich ist.

Die wissensbasierte Wirtschaft ist auch als charakteristisches Merkmal für die vierte Epoche der Industrialisierung angeführt worden. Sie wird als Wirtschaft definiert, in der Wissen der Hauptfaktor für das Wirtschaftswachstum bildet. Es ist eine Wirtschaft, in der Wissen erworben, produziert und verbreitet sowie effektiv für die wirtschaftliche Weiterentwicklung eingesetzt wird. 

Die wissensbasierte Wirtschaft setzt eine Gesellschaft mit Fertigkeiten und akademischer Ausbildung voraus, die Wissen hervorbringt und sie im Rahmen von Unternehmen einsetzen kann. Gemäß der Definition der OECD – Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – ist eine wissensbasierte Wirtschaft eine Wirtschaftsordnung, welche sich direkt auf die Produktion, die Verbreitung und die Nutzung von Wissen stützt.

Laut Artikel 1 des 2010 vom iranischen Parlament verabschiedeten „Gesetzes zur Unterstützung der wissensbasierten Unternehmen und Institute, der Kommerzialisierung, Innovationen und Erfindungen“  werden diejenigen Firmen und Institutionen als wissensbasiert bezeichnet, die in der Absicht gegründet werden, Wissenschaft und Vermögen gemeinsam zu aktivieren, die wissensbasierte wirtschaftliche Weiterentwicklung zu fördern,  wissenschaftliche und wirtschaftliche Ziele zu verwirklichen,  Forschungsresultate zu vermarkten  und eine höhere Technologie und größere Wertschöpfung zu erzielen. 

Revolutionsoberhaupt Imam Chamenei hat in seiner diesjährigen Neujahrsansprache im März 2022 den Begriff der wissensbasierten Wirtschaft wie folgt der Allgemeinheit nahegebracht:

„Mit wissensbasierter Wirtschaft ist gemeint, dass man die Produktion aus wissenschaftlicher und technologischer Sicht betrachtet und dadurch eine Verminderung der Produktionskosten und eine Verbesserung der Nutzung und der Qualität der Produkte erreicht und die Produkte auf den Weltmärkten konkurrenzfähig werden sowie der inländische Endpreis gesenkt werden kann.”

Insgesamt gesehen besteht die Tätigkeit von wissensbasierten Unternehmen darin, dass sie den Inhalt von wissenschaftlichen Referaten und theoretischem Wissen in Technologie umwandeln. Das nächste Glied ist dann die Umwandlung der Technologie in Innovation.

Die Zentren für Innovationen sollen untersuchen, was sich aus der vorhandenen Technologie an Neuentwicklungen hervorbringen lässt.  In Wahrheit soll der Einsatz von Wissen in der wissensbasierten Wirtschaft der Erzeugung von neuen Waren und Dienstleistungen dienen.  Eine wissensbasierte Wirtschaft beinhaltet einen hohen Anteil von spezialisierten Facharbeitern in der lokalen Wirtschaft bzw. der nationalen oder internationalen Wirtschaft.  In einer solchen Wirtschaft erfordern die meisten Tätigkeiten spezielle Fertigkeiten.  Das eigentliche Kapitel der Arbeitskräfte ist in dieser Wirtschaft das Wissen. Viele der Arbeitstätigkeiten im Rahmen dieser Wirtschaft erfordern Wissen, damit neue Kenntnisse gewonnen und neue Ideen entwickelt werden können.

Eine wissensbasierte Wirtschaft ist also keine Wirtschaft in der ausschließlich hohen Technologie verwendet wird, sondern eine Wirtschaft in deren Rahmen jede Art von Gewerbe, Arbeit und industrieller Tätigkeit entsprechend ihrer Erfordernisse die Verbreitung und Anwendung von Wissen nutzen muss, um ihre Ziele zu erreichen.

Die wissensbasierte Wirtschaft ist also das Resultat der Anwendung von Wissen und der wissensorientierten Bereiche zur Steigerung der Nutzung aller wirtschaftlichen Sektoren durch Innovation.  In der wissensbasierten Wirtschaft erfolgt eine effektive Nutzung des Wissenspotentials aller Teilnehmer am Wirtschaftswesen, nämlich das Wissen der einzelnen Personen, der Agenturen und des Staates. Der Austausch zwischen diesen Größen hinsichtlich wirtschaftlicher Aktivitäten und Innovationen im Bereich von Produktionsprozessen, Erzeugnissen und Dienstleistungen spielt dabei ebenso eine konstruktive Rolle.  

In einer solchen Wirtschaft ist die Innovation der wichtigste Faktor für die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft und Steigerung der Wertschöpfung wirtschaftlicher Tätigkeiten in Industrie und Technologie. Die Steigerung des Mehrwertes und der Leistung muss mit der Zeit in Form der Konkurrenzfähigkeit in allen Bereichen spürbar werden. 

In Wahrheit ist die Innovation der Hauptfaktor für die Steigerung der Wertschöpfung und das Erzielen von Konkurrenzfähigkeit, und zwar unabhängig von der technischen Ebene der Tätigkeiten. Denn auch Innovationen, die nichts mit Technologie zu tun haben, steigern den in der Wirtschaft erzielten Mehrwert und die Konkurrenzfähigkeit.  Innovationen sind daher auch ein typisches Merkmal für eine wissensbasierte Wirtschaft.

Die Hauptpfeiler einer solcher Wirtschaft bilden gemäß der APEC – Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation – folgende vier Größen:

Das Innovationssystem, die Weiterentwicklung der menschlichen Kräfte, die Infrastrukturen der Informatik und Kommunikation und die Gewerbe- und Arbeitsumwelt.

Der Exekutivausschuss der APEC bezeichnet die Verbreitung und die Wirtschaftlichkeit des Wissens als Hauptimpulse für das Wirtschaftswachstum, die Schaffung von Vermögen und von Arbeitsplätzen auf allen Produktionsebenen und daher können auch laut dieser Definition alle Sektoren der Wirtschaft auf Wissen basieren.

Eine Wirtschaft ist nicht unbedingt bereits wissensbasiert, wenn sie aus mehreren Industriezweigen besteht, die sich zur Erreichung von Wirtschaftswachstum und der Vermögensgewinnung auf  hohe Technologie stützen. In einer wissensbasierten Wirtschaft sind nämlich alle Bereiche auf Wissen angewiesen und das Wissen, das in dieser Wirtschaft erforderlich wird, geht weit über technisches Wissen hinaus und schließt auch Wissen über Kultur, Gesellschaft und Management mit ein.

Die Weltbank, welche zu den ersten Einrichtungen gehört, die den Begriff der wissensbasierten Wirtschaft zu verbreiten begonnen haben, hat seit 1998 in mehreren Berichten die Begrifflichkeit der wissensbasierten Wirtschaft und die Politik, Pläne und Errungenschaften der verschiedenen Länder hinsichtlich der Herstellung einer wissensbasierten Wirtschaft behandelt. Aus der Sicht der Weltbank hat die Rolle des Wissens für Wachstum und Wirtschaftsentwicklung im Vergleich zu früher enorm an Bedeutung gewonnen.

Die wissensbasierte Wirtschaft lässt sich als Wirtschaft definieren, in der Produktion, Verbreitung und Nutzung des Wissens als die wichtigsten Impulse für das Wachstum und die Vermögensbildung und die Beschäftigung in allen Industriezweigen bilden.  Es liegt auf der Hand, dass Forschung alleine noch nicht zur Entwicklung führt. Vielmehr sind für die Entwicklung die Produktion von Industriegütern, die Verbesserung von Methoden und die Bereitstellung von Dienstleistungen für die Industrieeinheiten und die Gesellschaft nötig.

In modernen Wirtschaftssystemen besteht die Arbeitskraft zu 60 Prozent aus Mitarbeitern, die Wissen besitzen, das können Designer und Architekten, Forscher, Ingenieure, Lehrer und Analytiker sein. Diejenigen Industriestaaten und weiterentwickelten Länder haben diese Stufe erreicht, die in eine neue Phase der auf Wissen gestützten Wirtschaft übergegangen sind.

Zum Schluss noch einige wichtige Merkmale für eine wissensbasierte Wirtschaft:

  • Streben nach innovativen Tätigkeiten durch Anziehung von Elitekräften mit akademischer Ausbildung
  • Gezielte Arbeitsplatzschaffung für Universitätsabsolventen (das Potential dieser Unternehmen für die Arbeitsplatzschaffung ist so hoch, dass einige Wirtschaftsexperten die Arbeitsmöglichkeiten in den wissensbasierten Unternehmen im Inland auf 3 Millionen einschätzen).
  • Produktion von neuen Erzeugnissen
  • Reduzierung der Produktionskosten:  Wenn Wissen Einzug in die Produktion findet, werden die Produktionskosten gesenkt und es wird die Vergeudung von finanziellen Mitteln verhindert.  In Wahrheit wird bei einem wissensbasierten Wirtschaften auch sparsamer mit Rohstoff und Energie umgegangen und es können Finanzmittel in Form von Devisen und Landeswährung eingespart werden.
  • Verbesserung des Nutzens: Durch wissensbasierte Tätigkeiten werden Produkte erzeugt, die nicht nur kreativer und moderner sind, sondern auch eine bessere Qualität aufweisen.
  • Die Konkurrenzfähigkeit der Produkte im Inland und auf den Weltmärkten wird gesteigert.

Damit hoffen wir eine Vorstellung von dem Begriff wissensbasierte Produktion bzw. wissensbasierte Wirtschaft, der öfters in den Nachrichten vorkommt, gegeben zu haben.

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