Dienstag , 15 Oktober 2019

Das Autobiografische im Werk von Franz Kafka | Saeid Rezvani

Es gibt wohl keinen Leser, der die Texte Franz Kafkas liest und sich nicht fragt, was der Autor eigentlich damit sagen möchte, der also keinen anderen Sinn hinter diesen Texten sucht, als ihren augenscheinlichen.

Die hoffnungslosen Labyrinthe, in denen sich die Helden verirren; die bis zur vollkommenen Absurdität grotesken Charaktere und Verhaltensweisen der Gegenspieler dieser Helden; die bei Kafka typische, vom Leser nicht für möglich gehaltene und diesen immer wieder überraschende Verschärfung äußerst extremer Lagen und Umstände; die mehr als verwundernden und kaum nachvollziehbaren Beziehungen zwischen verschiedenen Figuren; die unerwarteten Zeiten und noch mehr die unerwarteten Orte der Geschehnisse; die Atmosphäre und vieles mehr in den Geschichten Kafkas zeigen dem Leser deutlich, dass diese Geschichten schon von ihrer Logik her nicht irgendeine mögliche Wirklichkeit „wirklichkeitsgetreu“ wiedergeben. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt man schon bei der Betrachtung solcher Texte Kafkas, die immerhin nicht auf reinen Fiktionen basieren; von Fällen wie beispielsweise Die Verwandlung, wo sich ein Mensch in so etwas wie einen Käfer, in einen „ungeheueren Ungeziefer“  verwandelt, ganz zu schweigen.

Wenn man also davon ausgeht, dass die Geschichten Kafkas keine mögliche Wirklichkeit so, wie sie ist, präsentieren, dann drängt sich einem unweigerlich die Frage auf, wie die Wirklichkeit hinter ihnen vorzustellen ist.  Welche Einsichten und Erkenntnisse, welche Erlebnisse und Erfahrungen des Autors präsentieren uns diese Geschichten in ihrer eigenartigen Weise? Wofür stehen diese Irrgärten der Verzweiflung mit ihrer gnadenlosen Ausweglosigkeit, die Kafka konstruiert? Wer ist Josef K., der Held des Romans Der Prozess, in der hinter der Geschichte anzunehmenden Wirklichkeit und wessen ist er dort angeklagt? Wofür steht das „Schloss“, und wofür der verbitterte Kampf von K. um den Zutritt zu ihm?

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