Die Weisungen des Imam Ali an Malik Aschtar in vergleichender Betrachtung der Islamischen Revolution im Iran

Hamid Reza Yousefi | Die Weisungen von Imam Ali an Malik Aschtar nehmen im Kontext des schiitischen Islam eine Schlüsselrolle ein. Dieses frühe Dokument manifestiert die Grundzüge einer gerechtigkeitsorientierten Staatsführung aus schiitischer Sicht. Wer ist Imam Ali und welche Rolle kommt Malik Aschtar zu?

Ali ibn Abi Talib, der Sohn von Abu Talib und von Fatima, gilt als rechtmäßiger Imam der Schiiten. Geboren ist er in Mekka, einer der Wirkungsstätten des Propheten. Imam bzw. Imamat besagt, dass eine religiöse Kapazität die Führung der Umma in religiösen wie weltlichen Angelegenheiten mit bestem Wissen und Gewissen übernimmt. Imam Ali tritt als erster zum Islam über, wird zum Gefährten des Propheten Mohammad und begleitet diesen 23 Jahre lang. Imam Ali heiratet Fatima, die Tochter des Propheten, und wird zu seinem Schwiegersohn. Beim Hochzeitsmahl nimmt der Prophet Ali ibn Abi Talib zu seiner rechten und Fatima zu seiner linken Seite, drückt beide an die Brust und verkündet, Fatima habe einen guten Ehemann an ihrer Seite und Ali ibn Abi Talib habe eine gute Ehefrau an seiner Seite. Nach dem Tod des Propheten und der Übernahme des Kalifats durch Abu Bakr widmet sich Ali ibn Abi Talib der Unterweisung seiner Gefährten und führt bis zu seiner Ermordung für sechs Jahre das Kalifat.

Zu den Gefährten des Imam Ali zählt auch Ibrahim Ibn Malik Aschtar al-Nacha-i, genannt Malik Aschtar. Dieser ist einer der führenden und vertrautesten Offiziere von Imam Ali. Malik erhält den Auftrag, mit seiner Truppe nach Ägypten zu ziehen, um das ägyptische Volk zu schützen und zu führen. Ägypten wird in jener Zeit von Mohammad ibn Abi Bakr regiert. Weil Amr ibn al-As, einer der Gefährten Muawiahs, dem ersten Kalifen der Umayyaden, Bakr bedroht, bietet er Imam Ali um Hilfe und Unterstützung. Imam Ali entspricht diesen Wunsch durch seinen Auftrag an Malik, der sich umgehend nach Ägypten begibt. Malik Aschtar erreicht aber das Land nicht, weil er unterwegs von Muawiahs Gefolgsleuten vergiftet wird.

Iman Ali formuliert Zeit seines Lebens eine Reihe von Aussprüchen, Ratschlägen, Verfügungen, Briefen und Maximen sowie konkrete Weisungen zur Führung von politischen Ämtern. Diese werden im siebten Jahrhundert gesammelt und später in der Textsammlung ›Nahdsch-ul-Balagha‹ zusammengestellt. Die historischen Anweisungen des Imam Ali an Malik Aschtar gehören, wie eine Reihe von anderen Schriftstücken an Persönlichkeiten seiner Zeit, zu dieser Textsammlung.

Die Weisungen zeugen von den schwierigen Verhältnissen in jener Zeit, denen Imam Ali mit besonnenen und gleichsam innovativen Lösungen begegnen will. Vernunftverwurzeltes Handeln, praktische Menschenliebe und der tatkräftige Wille zur umfassenden Versöhnung sowie die gerechte Verteilung von Gütern bilden das Viereck seines Denkens.

Mit seinen Weisungen zeigt Imam Ali, dass es möglich ist, die Tyrannei auf allen Ebenen der Regentschaft durch Gerechtigkeit zu ersetzen. Er zeigt, dass es ebenfalls möglich ist, eine Staatsführung moralisch-politisch und gleichsam volksorientiert zu gestalten. Integriert sind darin auch Rechte wie Pflichten des Menschen, die alles gebieten, was Menschen fordern und alles verbieten, was Menschen daran hindert, sich angemessen zu entfalten. Religion funktioniert hier als das wache Gewissen der Gesellschaft und Hüterin der Moral und Sittlichkeit. Diese Weisungen charakterisieren das Wesen des schiitischen Islam, dessen Ansätze wir im politischen System des gegenwärtigen Iran als einem Zivilisationszentrum der islamischen Welt beobachten können.

Die Weisungen enthalten zwei Momente, die sich gegenseitig bedingen: gewaltfreie Anschauung und gewaltfreier Dialog. Sie konstituieren sich aus unterschiedlichen Teilen, die von der Forderung nach Demut gegenüber Allah bei der Amtsführung und ethischen Regeln zur Lebensführung des Regierenden angeführt werden. Die Weisungen beinhalten Grundsätze zur Rechtsprechung und zur Auswahl von Vertrauten des Regenten. Sie zeigen, dass es möglich ist, durch eine vernunftverwurzelte Staatsführung das Schlechte zu reduzieren und das Gute zu erweitern. Betrachtet werden neben den einzelnen Gruppen der Staatsbeamten und der Untertanen auch Militär, Richter und Beamte, steuerpflichtige Grundbesitzer und Sekretäre sowie Händler, Werktätige und Mittellose. Charakteristisch ist für diese Weisungen die dialogische Haltung eines volksverbundenen Regierens und der redliche Umgang mit Widersachern und Gegnern.

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http://spektrum.irankultur.com/wp-content/uploads/2020/10/08_Die-Weisungen-des-Imam-Ali_.pdf

 

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