Mittwoch , 26 Januar 2022
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Die Yalda Nacht und die Geburt des Lichtes

von Mahtab R. | Eines der wichtigsten altpersischen Feste ist Shab-e-Yalda, die Yalda Nacht. Vor Tausenden von Jahren ergab nämlich eine Messung, dass der 21. Dezember, der Einbruch des Winters, ebenso die längste und dunkelste Nacht des Jahres ist. Astronomisch betrachtet, spricht man hier von der Wintersonnenwende. Diese Nacht wird schon lange im Sinne des altpersischen Brauchs gefeiert, und einst gehörend zum indoiranischen Kulturkreis, wird es heute besonders im iranischen Kreis gewürdigt und zelebriert.

Yalda ist ursprünglich ein aramäisches Wort und bedeutet „Geburt“, daher die Nacht der Geburt. Doch was oder wer wird geboren? Es ist das Licht oder die Sonne bzw. historisch zurücklaufend, wurde in der Yalda-Nacht die Gottheit Mithra geboren. Eine Göttergestalt, die als Personifizierung der Sonne auftritt. Denn nach dieser überstanden Nacht, werden die Tage länger und das Licht siegt über die Dunkelheit und erfüllt alle mit Kraft und Vitalität. In der persischen Kultur und Mythologie wird das Licht als das Gute dargestellt, während die Dunkelheit das Böse impliziert. Man glaubte, dass Licht und Dunkelheit im ständigen Konflikt zueinanderstehen, weswegen die Geburt von Mithra in der Morgenröte nach der Yalda-Nacht Gefühle von Hoffnung, Frohsinn und Leichtigkeit mit sich bringt.

Meist versammeln sich Freunde und Familie im Haus des Ältesten und feiern in Dankbarkeit bis zur Morgendämmerung jenes freudige Fest. Um die Nacht zu verweilen, werden Gedichte aufgesagt. Besonders wird aus dem Diwan des Dichters Hafis gelesen und gesungen, da seine Verse als eine Art Orakel der neuen, lichterfüllten Zeit wirken. Wärme und Licht breiten sich im Haus aus, während man um den Korsi, einem traditionell persisch dekortierten Tisch, versammelt ist. Der Korsi ist ein Tisch auf niedriger Ebene, auf diesen befindet sich eine große Decke. Gewöhnlich galt er als der wärmste Punkt des Raumes, da unterhalb des Korsi sich ein Becken mit glühenden Kohlen oder ein Ofen befand um Wärme zu spenden. Die Menschen versammeln sich daher um den Korsi um selbst etwas von dieser glühenden Wärme zu erhalten.  

Der Korsi, prallvoll mit zart angebrochenen Granatäpfeln, Wassermelonenstücken und Kaki-Früchten, symbolisiert mit seinen purpurroten und kräftigen Orangetönen die Farben der Morgenröte. Besonders die Granatäpfel sind ein Zeichen der Fruchtbarkeit, des Lichts und der Güte, weshalb diese in der Yalda-Nacht als symbolische Gegenkraft der Dunkelheit wirken.

Die Festelemente und Bräuche variieren von Region zu Region, da die Yalda Nacht auch in Gebieten Afghanistans, Tadschikistan, Turkmenistan und in vielen weiteren Bereichen der Welt gefeiert wird. Trotz der sonst kulturellen Unterschiede heißen alle in der Yalda-Nacht die Sonne willkommen und teilen diese gleiche Tradition miteinander.

In diesem Sinne – یلداتون مبارک

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