Laaleh Washgun – Kaiserkrone

Iran weist circa 12 Tausend verschiedene Pflanzenarten auf und gehört in der Region zu den Ländern mit der reichsten Pflanzenwelt. Mehr als 15 Prozent dieser Arten sind iranische Endemiten, d.h. sie wachsen nur im Iran. Besonders bekannt sind davon die iranischen Liliengewächse – in der Heimatsprache Laaleh genannt, und ganz besonders die Laalah Washgun. Leider ist letztere in Gefahr geraten.

Die „Laaleh Washgun“ (persisch: لاله واژگون) (umgekehrte Tulpe) oder „Ashk Maryam“  (Mariaträne)  heißt in der Fachsprache Fritillaria imperialis. Im Deutschen ist der Name Kaiserkrone üblich.  Die Fritillaria ist ein Zwiebelgewächs. Die einheimische Art im Iran blüht mehrere Jahre lang auf Höhen ab 1500 Metern in der freien Wildnis.  Es gibt 60 verschiedene Arten von Fritillaria auf der Welt, 15 davon wachsen im Iran in der freien Natur. Die Pflanze kann eine Höhe von 120 cm erreichen. Bis  zu zehntausend Exemplare der Laaleh Wazhgun können  ein Blumenfeld mitten in der Natur bilden, vorausgesetzt sie bleiben  von  weidenden Tieren und  egoistischen Menschen verschont.

Die Laaleh Wazhgun ist sehr widerstandsfähig gegenüber Kälte und  hat sich gut an steinige Böden angepasst. Diese Blume mit ihren großen glockenartigen Blüten in Rot-Orange stellt ein kostbares Naturerbe Irans dar.  Auch in der Geschichte taucht ihr Name auf.  Wir sehen diese Blüten auf den Säulenkapitellen der sassanidischen Bauten und am Taq-e Bostan im westiranischen  Kermanschah,  neben den Reliefs, auf denen Sassanidenkönige abgebildet sind. Dies zeugt davon,  dass diese schöne Blume auch im antiken Iran geschätzt wurde. 

Im Jahre 1576 brachten europäische Iranreisende zum ersten Mal dieses Liliengewächs nach Österreich, wonach dann die Kaiserkronen in den Gärten der Wohlhabenden und der Königshofe Europas angepflanzt wurden.  Im 19. Jahrhundert wurde die Anpflanzung der Fritillaria auch in Holland üblich. Heute wird die Kaiserkrone an vielen Orten in Europa  in Gärten und Treibhäusern kultiviert. Sie eignet sich gut als Zierpflanze für europäische Parks und Gartenanlagen.

Die iranische Fritillaria imperialis blüht ab Frühlingsmitte in den nördlichen Gebieten des Zagrosgebirges im Westiran und in den südlichen Gebieten Mitte Sommer.  Ihre Blüten und  die über dem Boden befindlichen Pflanzenteile sind nur kurzlebig. Die Blütezeit beginnt Anfang Ordibehescht, d.h. Mitte April und endet mit dem Abschluss der Niederschlagszeit. Nach kurzer Zeit verdörrt die Pflanze, beginnt jedoch Anfang Herbst wieder aufzuleben und neue Wurzeln und Triebe zu bilden. Wegen ihres kurzen Lebens und ihrer Seltenheit wird diese Pflanze auch Dschawaher-e Tabiat-e Iran – Juwel der iranischen Natur – genannt. 

Die Zwiebel der Laaleh Washgun ist eine fleischige Knolle. Sie enthält viel Stärke und mehrere medizinisch wirksame Stoffe. Seit über 2 Jahrtausenden wird dieses Liliengewächs in der traditionellen chinesischen Heilkunde als schleimlösendes Mittel und als Hustenmittel verwendet.  Es hemmt die Verklumpung von Blutplättchen und ist gut zur Behandlung von Halsschmerzen, Husten, Asthma, Bronchitis, Tuberkulose und schmerzhafter Blasenentleerung. Die Zwiebel der Kaiserkrone wird wegen  Verticin  und einem weiteren Alkaloid  als schmerzstillend betrachtet. Allerdings muss die Behandlung mit der Zwiebel dieser Pflanze unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, denn Fritillaria imperialis  gehört zu den giftigen Pflanzen. 

Laaleh Wazhgun –  Fritillaria imperialis

Botaniker betrachten diese wertvolle Pflanze im Iran als vom Aussterben bedroht. Ihre Zahl geht nämlich immer mehr zurück, weil keine Kontrolle darüber besteht, dass diese Pflanze gepflückt oder ihre Zwiebel ausgegraben wird oder an ihrem Standort Vieh weidet oder dieser durch Anbaufelder verringert wird. Weidendes Vieh grast einige Gebiete so sehr ab, dass es sich nachteilig auf die Blütenbildung der Pflanzen im darauffolgenden Jahr auswirkt. Wenn die oberirdischen Pflanzenteile der Kaiserkrone schnell vergehen (wie bei Weidenutzung ihres Standortes), kann sie nicht genug Nahrung speichern und daher sind die Blüten im darauffolgenden nicht mehr so prächtig. Wenn diese Zerstörung mehrere Jahre hintereinander anhält, wird die Blütezeit nicht mehr natürlich verlaufen. Darum hat die iranische Umweltschutzbehörde vor circa 20 Jahren begonnen,  die Laaleh Washgun als genetische Reserve  zu schützen und in den letzten Jahren wurden diesbezüglich  mehrere Projekte  im Iran durchgeführt.   

 

 

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