Dienstag , 17 Mai 2022
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Mit dem Fasten zur Läuterung der Seele

Wir befinden uns zurzeit im segensreichen Monat Ramadan, am Ufer des endlosen Meeres göttlicher Barmherzigkeit.                                

In diesen Tagen finden unsere gottesdienstlichen Werke mehr als zu jeder anderen Zeit Gottes Zufriedenheit.  Dies ist der Monat zur Läuterung der Seele – zum Fernbleiben von jeglicher Sünde. Ramadan ist der Monat, in dem der Mensch hohe Horizonte erreichen kann. Der Monat Ramadan wirkt auf die empfängliche Seele wie ein erfrischender Regen, der auf die verdorrten jungen Bäume eines Gartens fällt und sie wiederbelebt.

Von den unzähligen Wohltaten Gottes gibt es eine, die uns ganz nahe ist, die wir jedoch die meiste Zeit vergessen und nicht richtig gewahr werden. Dieser Segen ist die Nähe Gottes zu uns, ist die Gegenwart des Allmächtigen, in dessen Hand alles liegt.

Im Vers 16 der Sure 50 (Qaf) beschreibt Gott Seine unentwegte Anwesenheit, in dem er sagt:

و نَحنُ اَقرَبُ اِلیه ِمِن حَبلِ الوَرید

… und Wir sind ihm (dem Menschen)  doch näher als seine Halsschlagader.“

Gott ist überall zugegen. Er hört unsere Stimme und kennt die Geheimnisse unserer Herzen und unsere wahren Absichten. Aber wir vermögen nicht immer Seine Gegenwart zu verspüren. Wir vergessen Seine Anwesenheit, wenn wir keine lauteren Absichten hegen, schlechte Charaktereigenschaften haben und Sünden begehen. Unsere schlechten Taten sind wie ein dichter Schleier  über unserem Herzen, der uns den Blick auf die Wahrheiten der Welt verwehrt. 

Gott ist immer zugegen – bei jedem Atemzug, den wir tun, bei jedem Schritt, den wir gehen. Er ist Tag und Nacht gegenwärtig. Und wenn wir am Morgen uns aus dem Schlaf erheben, schenkt Er uns neues Leben und hilft uns. Er ist immer anwesend. Aber wir sind  nur manchmal anwesend und oftmals abwesend.  Und immer wenn wir anwesend sind, so dank Seiner Gnade. Unsere Anwesenheit vor Gott  bedeutet Seine Gegenwart zu verspüren. Immer wenn wir vermögen Seine ständige Anwesenheit zu verspüren, sind auch wir vor Ihm anwesend.  Natürlich bedeutet unsere Abwesenheit nicht, dass Gott nicht wüsste, in welchem Zustand wir uns befinden und welche Taten wir begehen. Es bedeutet, dass wir vergessen, dass wir uns in der Anwesenheit Gottes befinden.

Gott macht seine ständige Gegenwart im Koran spürbar. Der Koran ist das Wort Gottes, das Er an Seine Diener richtet. Wenn wir diesem Wort lauschen und wenn wir es lesen, werden wir daran erinnert dass wir vor Gott stehen und deshalb haben uns die großen Vorbilder des Islams immer angespornt den Koran zu verlesen und über ihn nachzudenken. Diese Empfehlungen erreichen für den Monat Ramadan ihren Höhepunkt.

Oftmals haben wir sagen hören „Im Monat Ramadan ist der Thron Gottes nahe der Erde“. In Wahrheit ist er jedoch immer nahe der Erde, so wie Gott selber uns immer sehr nahe ist, näher als unsere Halsschlagader! Aber im Monat Ramadan können wir uns der sonstigen Unachtsamkeit entziehen und dank unserer gottesdienstlichen Werke und der Verlesung des Korans  die Nähe des göttlichen Thrones – die Nähe Seiner Allmacht – verspüren. Hätte uns Gott nicht Seine Huld und  Allbarmherzigkeit erwiesen und uns nicht Seine  Rechtleitung gewährt, dann würden wir niemals eine solche Erfahrung machen können.

Der Ramadan wird auch der Frühling des Korans genannt. In diesem Frühling gehen auf dem Zweigwerk des Korans im Herzen der Gläubigen Knospen auf. Jeder gewinnt einen Nutzen aus dem Inhalt des Korans – je nach seiner Aufnahmefähigkeit mehr oder weniger. Und sei es auch wenig, so hilft es ihm auf dem Weg zum immateriellen Wachstum weiter und dieses spirituelle Wachstum wird ihm daraufhin als Sprossenleiter dienen, um den Koran noch besser zu verstehen und noch mehr zu nutzen.

Gott ist das Endziel aller Weltbewohner und Er hat den Weg zu diesem Ziel festgelegt. Dieser Weg führt über die Achtsamkeit, die durch das Lesen des Korans erreicht wird.  Wenn diese geistige Anwesenheit erzielt wird, dann wird unser Leben ein Leben im Lichte Gottes sein und sich heilsam auf unsere Beziehungen zueinander auswirken.  Wer sich bewusst ist, dass Gott immer zugegen ist und alle seine Taten sieht, der wird nicht nur, wenn er alleine ist, immer an das Wohlgefallen Gottes denken, sondern auch bei seinem Verhalten zu den anderen Gott zufrieden stellen wollen. Er wird nie das Recht anderer verletzen und immer das Wohl aller wollen.

Für die Gültigkeit des islamischen Fastens müssen einige Regeln erfüllt sein. Hier ein paar der wichtigsten von ihnen:

Wer islamisch fastet, muss Muslim und gläubig sein, sonst ist es ungültig. Ungültig ist auch das Fasten eines Wahnsinnigen oder Betrunkenen oder Bewusstlosen.  Der Fastende darf nicht auf Reisen sein. Laut den islamischen Regelwerken soll man auf Reisen, bei denen die Gebetspflicht verkürzt wird, auch das  freiwillige Fasten unterlassen.  Dies gilt nicht, wenn man das Gelöbnis abgelegt hat, an einem ganz bestimmten Tag für Gott zu fasten. Dann darf der Gläubigen an diesem Tag auch dann fasten, wenn er sich auf einer Reise befindet.

Laut den islamischen Geboten ist das Fasten nur dann gültig, wenn es für den Fastenden keine Gefahr in sich birgt. Wenn also das Fasten jemandem schadet, muss er es unterlassen, ob er nun selber zu dem Ergebnis gelangt ist, dass das Fasten ihm schadet, oder ein Arzt seines Vertrauens ihm dies gesagt hat. Wichtig ist auch die Absicht zu bilden, für Gott zu fasten und außerdem sind alle Dinge zu unterlassen, die das Fasten ungültig machen.

Bei der Frage ob jemand zum Fasten verpflichtet ist oder nicht, sind einige wichtige Punkte ins Auge zu fassen. Wegen Schwächegefühl darf der  Gläubige nicht einfach das Fasten abbrechen. Dies darf er nur wenn er sich so schwach fühlt, dass es äußerst schwierig würde, es zu ertragen oder wenn das Fasten  ihm schadet oder er auch nur  befürchtet, dass es ihm schaden würde.  So kommt es das Mädchen, die das religionsrechtliche Reifalter erreicht haben,– was nach Ansicht der meisten Rechtsgelehrten nach Vollendung des 9. Lebensjahres gemäß dem Mondkalender der Fall ist, fasten müssen. Sie dürfen  das Fasten nicht, weil es ihnen schwer fällt oder sie sich körperlich dadurch geschwächt fühlen,   oder aus ähnlichen Gründen abbrechen. Nur wenn das Fasten ihnen schaden oder äußerst beschwerlich für sie sein sollte, dürfen sie es unterlassen bzw. abbrechen.

Das religiöse Fasten ist ein gottesdienstliches Werk, welches der Gott zugewandte Gläubige nicht aus Angst oder Zwang sondern aus Liebe und Verlangen vollbringt. Um das Wohlgefallen Seiner großen Liebe, nämlich Gott, zu finden, verzichtet er auf das, was sein Herz begehrt. Er verzichtet auf jeden Genuss um in den Genuss der Nähe zu Gott zu gelangen. Alles andere bedeutet ihm nichts mehr.  Auch die besten Speisen und Getränke können ihn nicht locken. Diese mystische Verfassung können wir in höchster Form  bei den Großen Gottesfreunden beobachten.  Imam Ali (Friede sei mit ihm) spricht in seinen vertraulichen Gebeten zu Gott:

„O mein Gott, das einzige was mich beunruhigt ist die Trennung von Dir. Angenommen ich würde deine Strafe ertragen können,  wie aber sollte ich die Trennung von Dir ertragen?“ 

Die Art wie Imam Ali, Fürst der Gläubigen, den Monat Ramadan beging, zeigt dass er nicht nur an das eigene spirituelle Gedeihen sondern auch an das der anderen dachte. Wenn er sich auf den Weg zum Gemeinschaftsgebet machte,  ließ er die Nachbarn und die anderen wissen, dass sich die Gläubigen in der Moschee zum gemeinsamen Gebet versammeln, indem er unterwegs rief:

یا ایها الناس الصلاة الصلاة

„O ihr Leute! Das Gebet, das Gebet!“

Oder er bereitete mit Hilfe seiner werten Gemahlin, Hadhrate Fatima (F) im Monat Ramadan seine Kinder und alle im Hause darauf vor, die Nacht in Andacht zu verbringen. Er unterstrich auch die Bedeutung der Speise vor dem ersten Tageslicht und beim Fastenbrechen (Iftar). Laut ihm soll jemand der fastet  mindestens eine halbe Dattel zum Fastenbrechen und einen Schluck Wasser vor dem Tagesanbruch zu sich nehmen. Keiner sollte – sei es nun aus  lauter Gottesfurcht oder aus Achtlosigkeit – versäumen,  vor Beginn oder nach Abschluss des täglichen Fastens etwas zu trinken oder zu essen. Über den Monat Ramadan hat Imam Ali (a) gesagt:

„Ihr sollt im Monat Ramadan viel um Vergebung bitten und Bittgebete sprechen. Das Bittgebet hält Übel von euch fern und die Bitte um Vergebung löscht eure Sünden aus.“

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