Montag , 27 September 2021
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Professor Parwiz Kordovani und die iranische Kawir

Dieser Beitrag ist einem großen Freund der Umwelt in Iran gewidmet: dem kürzlich verstorbenen Professor Parwiz Kordovani – Er begründete das Spezialfach für die Iranische Wüste (Kawir)  und setzte sich für deren Begrünung und den Schutz von Gewässern, Wäldern und Weideland im Iran ein.

Wie das UN-Kinderhilfswerk   kürzlich berichtete, leben ungefähr 2,2 Milliarden Kinder auf der Welt in einem der 33 Länder, die wegen ihrer Klimaveränderungen als sehr gefährdet eingestuft werden. Gemäß UNICEF-Bericht sind 920 Millionen Kinder  ernsthaft dem Mangel an Wasser  und 820 Millionen Hitzewellen ausgesetzt, während  600 Millionen Kindern gefährliche Krankheiten wie Malaria durch Insektenübertragung droht.

Die UNICEF hat am 20. August 2021 auf ihrer Internetseite vor der Einschränkung der Rechte von Kindern durch die Klimaveränderungen gewarnt.  Wegen Erderwärmung, Überschwemmungen, Stürme, Dürre und Umweltverschmutzung sei das Recht von Kindern auf  Gesundheit,  Bildung, Sicherheit, saubere Luft und sauberes Trinkwasser, Unterkunft,  Freiheit und sogar ihr Recht auf Leben gefährdet.

Einige Menschen widmen ihr Leben der Sorge um die  Grundrechte der kommenden Generationen. Einer von ihnen ist Parwis Kordovani gewesen, iranischer Universitätsprofessor, Geograf, Forscher und Schriftsteller.  Er hat sich lange Jahre für Lösungen zur Begegnung mit den Klimaveränderungen und Vermeidung von Wasserkrisen eingesetzt, bis er am 18. August dieses Jahres im Alter von 90 verstarb.

Kordovani kam 1931 in Garmsar, 120 km entfernt von Teheran, zur Welt.  Sein Vater war Landbesitzer und so wurde Parwiz Kordovani von Kind auf mit der landwirtschaftlichen Kultivierung vertraut. Nach dem Schulbesuch in seiner Heimatstadt und dem  Gymnasialabschluss  in Teheran, studierte Kordovani in Deutschland und nach Erwerb seines Doktortitels und der Spezialisierung auf die Begrünung von Wüstenlandschaften,  lehrte er zunächst an der Landwirtschaftlichen Fakultät in der iranischen Stadt Urmia, und übernahm danach einen  Lehrstuhl an der Teheraner Universität.   

Parwiz Kordovani leitete das Büro für  Lehrstudien an der Teheraner Universität. Er  war auch Leiter der von ihm gegründeten Zentrale für Wüstenforschung im Iran  und hat zahlreiche Feldstudien in den iranischen Wüstengegenden durchgeführt. Professor Kordovani wurde zweimal zum  vorbildlichen Dozenten der Teheraner Universität gekürt und für das Beste Buch des Jahres in Sachen Umweltfragen mit dem Mehregan-Elm–Preis ausgezeichnet. 

Dieser iranische Wissenschaftler war Mitglied des Forums für asiatische Studien des Wasserversorgungsnetzes im Mittleren Osten, und  des Kuratoriums Grüner Frieden sowie Leiter des Komitees für die Begrünung von Wüstenland der Gesellschaft iranischer Umweltexperten. Kordovani hat mehr als 20 Universitätsbücher und Dutzende wissenschaftliche Artikel auf Persisch, Englisch und Deutsch verfasst. In internationalen wissenschaftlichen Krisen hat er oftmals Referate gehalten  und wurde mehrfach im Iran und anderen Ländern für seine Anstrengungen  gewürdigt. In seinem Heimatort Garmsar wurde ihm ein Denkmal errichtet und ein Erholungsort an der  Straße zu dieser Stadt wurde nach ihm benannt. 

Die  Ausdehnung von  Wüstengebieten stellt ein wichtiges aktuelles Problem wirtschaftspolitischer  sozialer und kultureller Art dar.  Wenn sich eine Gegend in Ödland verwandelt, wird es für die Landwirtschaft und Viehzucht uninteressant und die Bevölkerung ist gezwungen abzuwandern. Eine starke Migration aber löst zahlreiche neue soziale und politische Komplikationen aus.

Laut der UNO wächst die Gesamtfläche der Wüsten auf der Welt  von 4 Milliarden Hektar jährlich mindestens um 6 Millionen weitere Hektar. Dies verursacht einen finanziellen Schaden von 42 Milliarden Dollar im Jahr. Die Erde verliert gemäß Experten immer mehr an Produktionspotential, so dass inzwischen in 10  bis 20 Prozent der Trockengebiete einige Pflanzenarten oder wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten zugrunde gegangen sind und die Situation sich weiter verschlimmert.

Iran ist schon immer mit  Wassermangel und Dürre konfrontiert gewesen.  Der Achämenidenherrscher Darius hat vor 2500 Jahren in einer Felseninschrift Gott gebeten, dass er sein Land vor Lüge und Dürre schützen möge.

Parwiz Kordovani hat die Realität bei der Wüstenbekämpfung nicht außer Acht gelassen. Er kannte die Bedingungen in der iranischen Wüste und war davon überzeugt, dass man der Bevölkerung Anleitung geben muss, wie sie diese Gebiete optimal nutzen können.

In diesem Zusammenhang schrieb er: „Es ist eine Tatsache, dass unser liebes Land Iran mitten im Hochdruckgebiet liegt und ein trockenes Gebiet werden musste und noch trockener werden wird als das was es schon ist. Aber in der Zweiten Ära der Entwicklung und Veränderung der Erde, in der die Ozeane austrockneten haben wir das Glück gehabt dass zwei Meere für uns verblieben sind, eines im Norden und eines im Süden – das Mazandaran-Meer (Kaspisches Meer) im Norden und der Persische Golf im Süden. Danach begann die Gebirgsfaltung im Iran und Iran wurde gebirgig. Ein Grund dafür war der Druck aus südwestlicher Richtung. Jedenfalls wurde das Land gefaltet und es entstanden Berge und zwar hohe Berge – die Elborz-Gebirgskette die von Osten nach Westen streicht, was gut so ist, denn ein Streichen von Norden nach Süden wäre ungünstig gewesen.  Die andere Gebirgskette ist das Zagros-Gebirge das von Norden nach Westen  streicht, was ebenso ausgezeichnet ist. Wir haben es dem Elborz-Gebirge und dem Mazanderan-Meer zu verdanken, dass wir ein Gebiet besitzen, das bis zu 2000 Millimeter Niederschläge hat. Und dann haben wir das Zagros-Gebirge  welches die Feuchtigkeit der Westregion aufnimmt und zu den Niederschlägen in dieser Gegend führt.  Außerdem mildert das Mazanderan-Meer im Norden die minus 90 Grad kalte Luftströmung aus Sibirien, wobei das Elborz-Gebirge diese Strömung in Regen verwandelt.  Anderenfalls würde die sibirische Kälte bis hin zu den zentralen Gebieten Irans alles eisig erstarren lassen. Und im  Süden unseres Landes haben wir den Persischen Golf, der die warme brennendheiße Luftströmung aus Arabien mildert, da sonst der Süden unseres Landes in der Hitze verbrennen würde.

Er fährt fort:

„Das Zusammenspiel dieser Bedingungen hat auch in den inneren Teilen des Landes für uns eine Kawir, eine Wüste entstehen lassen. Die Gebiete mit Bodenversalzung waren einmal ein Dilemma aber heute sieht es anders aus. Heute sagt die Wissenschaft, dass diese Wüstengebiete der größte Segen sind, weil sie sowohl Touristen anziehen als auch für die Wirtschaft und Industrie Bedeutung besitzen. Jeder Wüstenabschnitt ist von einer besonderen Farbe wie die verschiedenen Blumenornamente auf einem Teppich. Am Rande der iranischen Kawir-Wüste gedeihen Pflanzen. Man muss dort im Frühling hinfahren um zu sehen wie schön es blüht.  Die Frühlingslandschaft der Wüsten gleicht einem Herbstwald. …Es wachsen dort verschiedene Arten von Tamarisken mit violetten Blüten. In der Kawir gibt es eine  Pflanze namens „Schur“ (salzig) und die Dorfbewohner bringen manchmal ihre Schafe und Kamele dort hin, damit sie diese salzhaltige Pflanze fressen.    Unsere Wüsten können Arbeitsplätze schaffen und der Produktion dienen.  In der Kawir gibt es für alle Berufsgruppen, vom Chemiker bis zum Dichter Arbeit und eine Beschäftigungsmöglichkeit. Die Nächte in der Wüste mit ihrem Sternen übersäten Himmel haben viele unserer großen Dichter inspiriert.“

Kordovani fügt hinzu:

„Wir haben Weideland in den Gebirgen  und in der Kawir. Im Zentrum der Kawir ist es dermaßen trocken, dass keine Pflanzen dort leben können und die Erde reines Salz wird und bunte Farben annimmt. Einige Salzkrusten sind aufgebläht und einige Salzkristalle so groß wie Hühnereier.  Unsere Salzflüsse in dieser Region sind eine Quelle des Segens. Ich bin davon überzeugt, dass überall wo eine Salzfluss und Salzwasser ist, dieses mehr wert ist als Süßwasser, denn Süßwasser dient nur zum Trinken und für die Nahrung ,während Salzwasser eine ewige sich erneuernde Ressource ist, welche verschiedene Sorten von Stoffen für die Industrie und für andere Verwendungszwecke produziert: Stoffe wie Kalisalz, Salpeter, Sulfite, Speisesalz und viele mehr.

Die Städte nahe der Kawir können den Segen des Wüstensandes und des Flugsandes nutzen. Ich habe in meinen Studien 21  Arten der Nutzung von Sand und Flugsand in der Industrie und Wirtschaft und in den Städten gefunden. Außerdem stehen uns in der Kawir und den Wüstengebieten des Landes die zwei sehr großen Geschenke „Sonne“ und Wind zur Verfügung. Das sind nicht versiegende Energiequellen und wir können sie bestens nutzen.“

Parwiz Kordovani  liebte seine Heimatstadt und suchte sie oft auf, um sein Bündnis mit der Kawir und ihrer geduldigen Bevölkerung  zu erneuern.  Er war ein bekanntes Gesicht für die Iraner und hat oft in den Medien vor den Gefahren der Klimaveränderungen und Wasserkrise gewarnt.

Mohammad Darwisch, ein Umweltaktivist, widmete  dem verstorbenen  Professor Kordovani in den sozialen Netzwerken folgende Worte: „Parwiz Kordovani war jemand, der mit seiner faszinierten Sprache in den Medien bei vielen Iranern das Interesse an der Kawir und den Wüsten Irans  erweckt hat.“

Lasst uns seines Namens in Ehren gedenken.

 

 

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