Dienstag , 30 November 2021
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Schutz und Erhaltung des Weltkulturerbes

Die UNESCO hat alle Staaten aufgefordert, nach neuen Methoden zum  Schutz des Kultur – und Naturerbes und der Umwelt zu suchen. Damit soll nicht nur die Wahrung dieses Erbes sondern auch die Verbreitung von kulturellen Werten und damit eines der wichtigsten Ziele nachhaltiger Entwicklung erreicht werden.

Dabei wird die Rolle der Bildung auf allen Ebenen betont, denn Bildung führt zum kulturellen Wachstum.

Das Kulturerbe wird heute als Voraussetzung für das Ansehen eines Landes betrachtet und kann zum Fortschritt in der Wirtschaft,  Wissenschaft und Gesellschaft dieses Landes beitragen. Es ruft außerdem unter den Bürgern eines Landes das Gefühl hervor, zusammenzugehören. Dieses nationale Identitätsgefühl  spielt heute in unserer unruhigen Welt  mehr als früher  eine wichtige Rolle und zählt zu der immateriellen Macht der Länder. Jedes Volk und jeder Staat kann mit dem  Blick auf seine geschichtliche und kulturelle Vergangenheit seine nationale Identität feststellen.

Die Kenntnis von dem eigenen Kulturerbe kann auch das Vertrauen in die eigenen Kräfte unter der Bevölkerung eines Landes stärken und zur Entfaltung bringen, und auf diese Weise auch die Kreativität der Nachfolgegenerationen steigern. Daher steht der Schutz dieses Erbes als nationales und internationales Anliegen in der Rechtsordnung jedes Landes und auf internationaler Rechtsebene als wichtiges Thema zur Debatte.

Mit Kulturerbe werden alle vorhandenen Spuren der Vorfahren bezeichnet, die einen kulturellen Wert haben.  Dies können sichtbare Spuren wie historische Gebäude oder immaterielle Spuren wie Bräuche sein.  Das kulturelle Erbe lässt sich nicht ersetzen. Es trägt zu den Studien der Menschheitsgeschichte bei.  Denn durch das kulturelle Erbe erfahren wir über die Lebensweise der Menschen in der Vergangenheit. Sie helfen bei der Untermauerung von historischen Dokumenten.

Das materielle Kulturerbe ist mit den Sinnen wahrnehmbar. Dazu zählen  historische Plätze und antike Gegenstände, Denkmäler, Bücher, Dokumente und Kunstwerke sowie weitere Werke, die für die zukünftigen Generationen für wichtig gehalten werden.  Alles gehört dazu, was aus archäologischer, architektonischer, wissenschaftlicher oder technischer Sicht für eine bestimmte Kultur von Bedeutung ist.

Das materielle Kulturerbe umfasst bewegliche und unbewegliche Gegenstände und Werke. Früher wurde besonderes in der nationalen Gesetzgebung der Länder ein großer Unterschied zwischen beweglichen und unbeweglichen Erbe gemacht und vornehmlich den Denkmälern und antiken Gegenständen und Kunstwerken historischer Wert beigemessen. Aber in den letzten Jahrhunderten waren die Sachverständigen auf diesem Gebiet geneigt, keine scharfe Grenze zwischen beweglichem und unbeweglichem materiellen Kulturerbe mehr zu ziehen. 

Das immaterielle Kulturerbe umfasst die Aspekte einer Kultur, die nicht physikalisch messbar sind. Vor allen Dingen sind die Bräuche in einer Gesellschaft in einem bestimmten Zeitabschnitt gemeint oder auch das allgemeine Verhalten in einer Gesellschaft,  über das zumeist die offiziellen Gesetze keinen Aufschluss geben. Das immaterielle Erbe ist ein Teil unserer Kultur, der mündlich von einer Generation auf die andere übergeht.  Wir haben es mit sozialen Werten, Kunsthandwerk, Bräuchen, Theaterkünsten,  den Gefühlen für Ästhetik und Ethik und Spiritualität,  künstlerischen Aussagen, der Sprache und weiteren Aspekten menschlichen Wirkens zu tun.  Generell ist die Wahrung des immateriellen Erbes schwieriger als die Wahrung des materiellen Kulturerbes.

Das immaterielle Kulturerbe bildet einen wichtigen Teil der Kultur jeder Gesellschaft. Alle Spuren, die von verschiedenen Kulturen erhalten geblieben sind, spiegeln das Denken und die spirituelle Kultur wieder, die in den betreffenden Gesellschaften herrschten. In Wahrheit ist es die menschliche Spiritualität, die sich in materiellen kulturellen und historischen Werke wiederspiegelt und das immaterielle spirituelle Erbe hervorruft.  Dieses Kulturerbe gilt als Kern der Kultur jedes Volkes. Die Beachtung der spirituellen Erbes ist schon deswegen so wichtig, weil dieses Erbe gegenüber der globalen kulturellen Gleichmachung  Widerstand leisten kann.

Die Folklore, mündliche Überlieferung und Erhaltung der einheimischen Sprache:  Das sind Dinge die zum immateriellen Kulturerbe gehören.

Einen wichtigen Teil des Erbes der Gesellschaften ist darüber hinaus das Naturerbe:  darunter wird die natürliche Umwelt verstanden wie Pflanzen und Tiere als biologische Vielfalt und geologische Elemente, wie Mineralogie, Geomorphologie und Paläontologie.  Das Naturerbe ist wegen seiner Anziehungskraft für die Fremdenverkehrsindustrie eines Landes wichtig.  Manchmal bilden materielles und Naturerbe gemeinsam ein Kulturerbe – zum Beispiel historische Bauwerke in einer schönen Landschaft.

Das Noruzfest gehört zum immateriellen Kulturerbe Irans

Die Idee vom immateriellen Kulturerbe geht auf die 1990-iger Jahre zurück, nämlich nachdem 1989 der UNO Vorschläge  zum Erhalt der traditionellen Kulturen auf der Welt vorgelegt worden waren. Das immaterielle Kulturerbe wird von der UNESCO festgestellt und gewürdigt,  um die Weltbevölkerung  mit den verschiedenen Seiten der Kultur und des Brauchtums vertraut zu machen.  Gemäß Definition der Konvention zur Erhaltung  des immateriellen Kulturerbes werden das Verhalten, die Wahrzeichen und die Bräuche einer Gesellschaft von ihr als Teil des Kulturerbes betrachtet. 

Der erste praktische Schritt zur Feststellung des immateriellen Erbes erfolgte 1997 während einer Zusammenkunft in der marokkanischen Stadt Marrakesch. Auf dieser  Sitzung wurde das menschliche Spracherbe definiert und es wurden Beschlüsse zur Erhaltung der Meisterwerke des Kulturerbes gefasst.  2001 haben die verschiedenen Länder eine Liste für das Kulturerbe herausgegeben. Diese wird alle zwei Jahre überarbeitet und es wird festgestellt, welche Teile dieses menschlichen Erbes sicher und welche in Gefahr sind.  Wenn etwas als Kulturerbe auf dieser Liste steht, bedeutet es demnach noch nicht, dass es vollständigen Schutz genießt. Vielmehr müssen die Staaten kommentieren, was sie für die  Erhaltung des  Kulturerbes getan und wie sie ihre Bevölkerung dazu angehalten haben.

Der Schutz des Kultur- und Naturerbes ist von vitaler Bedeutung für  Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Er trägt zur nachhaltigen Entwicklung bei. Bislang war der Schutz des Kultur- und Naturerbes vor allem Dinge eine Aufgabe der Länder, die solche Schätze besitzen, aber inzwischen gelten die kulturellen und natürlichen Reichtümer über die politischen und geografischen Länder hinaus als Welterbe und als international wertvoll.

Nun sind sich alle darüber einig, dass die Umwelt und das Naturerbe ein göttliches Geschenk an die Menschheit sind und ein fruchtbarer Schatz und ein bleibendes lebendiges Museum. Mehr denn je hat die Menschheit den Wert der Natur eingesehen und begriffen, dass sie die Natur schützen muss, wenn sie überleben will. Der Schutz des Kultur- und Naturerbes ist für die Erreichung von Weiterentwicklung der Menschheit so wichtig, dass eine allgemeine weltweite Mobilisierung der Staaten und der Bevölkerung notwendig wird. Genauso wie durch die Zerstörung der Umwelt das Leben der Menschen in Gefahr gerät,  entsteht  durch die Zerstörung des historischen Kulturerbes auch für das spirituelle Leben der Menschheit eine Gefahr.  Wenn heute unter haltlosen Vorwänden und blindem Eifer ein historisches Denkmal oder ein Museum angegriffen werden, weiß  die Weltbevölkerung, dass sie nicht schweigen darf und verpflichtet ist, das wertvolle Welterbe vor der Vernichtung zu schützen.

Der Schutz und die Erhaltung des Kulturerbes bedeuten in Wahrheit den Erhalt von immateriellen und materiellen Schätzen der Vorfahren, die das Denken und Wissen ihrer Zeit in Form eines wertvollen Werkes verewigt und den zukünftigen Generationen überlassen haben.  Was aus menschlichem Denken hervorgeht, wird– auch wenn viele Jahre oder Jahrhunderte nach seiner Schaffung vergangen sind, jeden bewussten Menschen zum Nachdenken anregen.

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