Uralt und unvergleichlich lebendig – Das Persische Neujahrsfest Nouruz

von Moritz Gause Eines der ältesten und zugleich populärsten Feste weltweit ist das Persische Neujahrsfest, Nouruz. Nouruz bedeutet übersetzt „Neuer Tag“, und wird in den meisten Traditionen am 21. März, der Tagundnachtgleiche zu Frühlingsbeginn, gefeiert.

Der Ursprung dieses Festes liegt in ferner Urzeit, und bereits die Zoroastrier begingen mit diesem Tag den Beginn eines neuen Jahres. Nach dem Schahname, der Königschronik des legendären Epen-Dichters Firdausi, wurde dieses Fest von dem mythischen König Dschamschid eingeführt, und es hat bis in die heutige Zeit überdauert.

Nouruz gibt es in zahlreichen Ländern, auch weit über den engeren Persischen Kulturkreis, der neben dem Iran die Länder Afghanistan und Tadschikistan umfasst, hinaus, so zum Beispiel in den turksprachigen Ländern Kasachstan, Kirgistan, der Türkei, Usbekistan, Aserbaidschan und Turkmenistan sowie unter anderem in Teilen Indiens und Chinas und in zahlreichen Ländern des Balkans.

Alles konzentriert sich während dieses Festes darauf, das neue Jahr zu begrüßen – so werden die Häuser gesäubert, hergerichtet – teils sogar neu gestrichen – und neue Kleidung gekauft. Auch gibt es viele Tänze und Lieder, die mit Nouruz verbunden werden. Im Iran und den persisch-sprachigen Ländern sind die zwei wichtigsten Traditionen, die mit Nouruz verbunden sind, zweifellos die aufwändige Zubereitung von Samanou und die Dekoration des Sofreh (=Tischtuch, auch Tafel) mit den sogenannten „Haft Sin“.

Samanou

Für die Zubereitung von Samanou werden zunächst, zwei Wochen vor Beginn von Nouruz, sieben Getreidesorten – Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel, Gerste, Hirse und Grünkern – in Schälchen und Schüsselchen zum Keimen gebracht. Wenn die Getreidekörner ausgekeimt sind, wird das Grün entfernt, und die Keimlinge werden in einem großen Kessel zerstampft und in der Nacht vor Beginn des Nouruz-Festes von den jungen Frauen der Gemeinschaft gekocht. Während des Kochvorgangs, der von ständigem Rühren begleitet wird, singen sie Lieder, und sie legen, bildlich gesprochen, Ihre Wünsche in den Samanou. Denn dies, so wird gesagt, bringe Glück. Sowohl das gekeimte Getreide mit den frühlingshaft grünen jungen Halmen, als auch der Samanou selbst, sind auch Teil der „Haft Sin“.

Haft Sin“

Die „Haft Sin“ (=„sieben S“) sind sieben Dinge, die mit dem Buchstaben „s“ (=sin س) beginnen, und die in ihren traditionellen Bedeutungen den Frühling, und damit das neue Jahr, begrüßen.

  • Sabze (سبزه„Grünes“, hier: „Weizen“-, „Gersten“- oder „Linsensprossen“) symbolisiert Munterkeit (sabz o choram „lebendig und munter“)
  • Samanak/Samanou (سمنو„Malz aus Weizen“) symbolisiert Wohltat und Segen
  • Sir (سیر„Knoblauch“) symbolisiert Schutz
  • Sendsched (سنجد„Mehlbeere“) symbolisiert die Saat des Lebens
  • Serkeh (سرکه„Essig“) symbolisiert Fröhlichkeit
  • Somagh (سماق„Gewürzsumach“) symbolisiert den Geschmack des Lebens
  • Sib (سیب„Apfel“) symbolisiert Gesundheit

Neben diesen gewissermaßen obligatorischen sieben Dingen gibt es weitere Details, die sich traditionell auf vielen Tischen finden:

  • Sonbol, gesprochen auch Sombol (سنبل„Hyazinthen“) symbolisiert Freundschaft
  • Sekeh (سکه„Münze“) symbolisiert Wohlstand
  • Ayineh (آیینه„Spiegel“) symbolisiert Reinheit und Ehrlichkeit
  • Scham’ (شمع„Kerze“) symbolisiert Feuer
  • Tochm-e morgh-e rangi (تخم مرغ رنگی„Gefärbte Hühnereier“). Das Ei symbolisiert Fruchtbarkeit. Die Anzahl richtet sich meistens nach der Zahl der Familienmitglieder, vier Personen = vier Eier. Sie sind den Ostereiern vergleichbar.
  • Mahi ghermez (ماهی قرمز„Rotfisch“, Goldfisch) im Wasser symbolisiert Glücklichkeit. Alternativ werden auch Narendsch (نارنج„Bitterorangen“) in eine Schüssel mit klarem Wasser gelegt.
  • Ketāb (کتاب„Buch“) symbolisiert Weisheit; üblich sind Der Diwan von Hafis, das Schāhnāme von Abū l-Qāsem-e Ferdousī, oder je nach Glaubensrichtung das Avesta, der Koran, die Bibel oder die Tora.

Viele Familien erwarten gemeinsam am reich gedeckten Tisch den exakten Beginn der Tagundnachtgleiche, der im Radio und Fernsehen angesagt wird, und gratulieren, umarmen und küssen sich herzlich.

Einen großen Stellenwert bei den Nouruz-Feierlichkeiten nimmt ferner der Besuch von Verwandten, Nachbarn und Bekannten ein. Zu diesen Besuchen werden Geschenke gereicht, und, selbstverständlich, auch Samanou.

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