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Grab des Al-Ghazäli

Al-Ghazäli; persischer islamischer Philosoph

Abü Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazäli, kurz auch Alghazäli (persisch ابو حامد محمد غزالی), mit dem ehrenden Beinamen Huddschat al-Islām, war ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Mystiker.

Ghazali zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams. Ihm ist die Einführung der aristotelischen Logik und Syllogistik in die islamische Jurisprudenz und Theologie zu verdanken. In seiner Philosophie vertrat er gleichwohl einen religiös motivierten Skeptizismus, der die Wahrheiten des Glaubens und der Offenbarung mit den Mitteln des philosophischen Zweifels gegen den Wahrheitsanspruch der Philosophie verteidigt. Während er einerseits für den Untergang der Philosophie im islamischen Osten (im Gegensatz zum islamischen Spanien, wo sie aufblühte) verantwortlich gemacht wird, bewirkte er auf der anderen Seite eine Wiederbelebung der Theologie.

Nach dem Tod seines Lehrers al-Dschuwainī (1028-1085) ging Ghazali an den Hof Nizam al-Mulks, des Wesirs der Seldschukensultane, der ihn 1091 zum Professor an der Nizamiyya-Madrasa in Bagdad ernannte. Er erwarb sich in dieser Stellung als höchstrangiger Lehrer der islamischen Gemeinschaft von Bagdad größtes Ansehen und war auch als politischer Berater gefragt.

Während der durch die Ermordung Nizam al-Mulks ausgelösten Wirren geriet Ghazali nach eigenem Bekunden in eine spirituelle Krise und wandte sich der islamischen Mystik, dem Sufismus, zu. Er gab seine Professur auf, spendete seinen Besitz den Armen und verließ 1095 Bagdad. Als Sufi führte er anschließend in Palästina und Syrien ein Wanderleben, bis er schließlich in seine Heimatstadt Tūs zurückkehrte, wo er abgesehen von einer kürzeren Wiederaufnahme seiner Tätigkeit als Professor in Nischapur (1106) bis zu seinem Tod ein zurückgezogenes Leben als sufischer Lehrer führte.

Ghazalis Haltung zur Philosophie ist zwiespältig: Einerseits zeugen seine Werke von einer gründlichen Kenntnis der griechischen und islamischen Philosophie, andererseits lehnte er die Philosophie als eigenen Weg zur Wahrheit ab und warf Vorgängern wie Avicenna und al-Farabi vor, durch ihre unkritische Adaption der heidnischen aristotelischen und platonischen Philosophie (dort speziell die Metaphysik) den islamischen Glauben zu verderben.Besonders gegen den Emanationismus, der das notwendige Hervorgehen der Welt aus Gott auf dem Weg über den Intellekt und in Verbindung damit auch die Ewigkeit der Welt lehrte, verteidigte er die durch die koranische Offenbarung verbürgte göttliche Erschaffung und Zeitlichkeit der Welt, indem er den Philosophen das Recht absprach, ihr Prinzip der Kausalität auch auf den jenseitigen Gott anzuwenden.

In seinem kurz vor 1095 verfassten Buch „Die Widerlegung der Philosophen“ befand Ghazali, dass viele Lehren der Aristoteliker einer argumentativen Kritik nicht standhielten. Am Ende seiner Schrift verurteilt er sie als Ungläubige:

Wir sagen: Man muss sie aufgrund von drei Lehren als Ungläubige verurteilen: Erstens aufgrund der Lehre der Ewigkeit der Welt, und dass Substanzen alle ewig seien. Zweitens, aufgrund der Lehre, dass Gott – erhaben ist er – keine Kenntnis der Partikularia hat, die von den Individuen in der Zeit erschaffen werden. Und drittens aufgrund ihrer Leugnung der Auferstehung und Versammlung der Körper (im Jenseits).

Dies sind die drei Lehren, die auf keine Weise zum Islam passen. Wer sich zu ihnen bekennt, meint, die Propheten – Gott möge sie segnen – würden lügen. (Er meint), sie würden ihre Botschaft auf jeweils angemessener Weise darlegen und dabei Gleichnisse für die ungebildete Masse benutzen, damit sie es verstehe. Dies ist eindeutiger Unglaube, zu dem sich niemand bekennt, der zu den Glaubensgruppen des Islams gehört.“

Apostasie und Toleranz im Islam – Die Entwicklung zu Al-Ghazalis Urteil gegen die Philosophie und die Reaktionen der Philosophen. Von Frank Griffel. Brill-Leiden-Boston-Köln 2000, S. 4.

Ghazali versuchte in seinem Weltbild eine Synthese vom göttlichen Determinismus mit dem menschlichen freien Willen:

Auf der obersten Stufe befindet sich der stets selbsterhaltende Gott.

Auf unterster Ebene ist die materielle Welt, die von Gott vorherbestimmt ist.

Dazwischen liegt die Welt der Menschen, deren Seele und Selbst durch den freien Willen geprägt ist. Gott gibt dem Menschen Ideen und Neigungen, aber die folgenden Taten obliegen einzig dem Menschen. (In der Stanford-Enzyklopädie wird aber al-Ghazali eher als Determinist beschrieben. Siehe die Diskussion hier.)

Wenngleich er aschʿaritische Positionen in der Dogmatik vertrat, so gab er sich doch mit der bloßen Vernunft als Erkenntnisquelle nicht zufrieden und lehrte den Weg zu einem Gottesbewusstsein, das aus dem Herzen entspringt, um „sich von den unislamischen Einflüssen des Verstandes zu lösen“. Mit dieser Haltung ebnete er antirationalen Tendenzen in den geistigen Auseinandersetzungen seiner Epoche den Weg.

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