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Der Goldschatz von Ziwiye

Der Goldschatz von Ziwiye (persisch گنجینه ی طلای زیویه) (auch Ziwije, kurdisch: Zêwiye) wurde 1950 im (Iran) bei Saqqez, südöstlich von Hasanlu von einem Hirtenjungen angeblich in einem Grab nahe den Mauern der Burg entdeckt. Das Material stammt aus dem Kunsthandel, zur genauen Herkunft gibt es keine Angaben.

Die Funde befinden sich heute größtenteils im archäologischen Museum in Teheran. Dabei handelt es sich um 341 Stücke, 103 aus Elfenbein, 71 aus Silber und 43 aus Gold. Der Schatz enthält rein assyrische, urartäische und syrische Gegenstände sowie solche, in denen sich uratäischer, syrischer und assyrischer (internationaler Mischstil) sowie urartäischer und skythischer Stil mischt.

O. Muscarella hat darauf hingewiesen, dass wegen der ungeklärten Fundumstände weder der Fundort selbst noch die Zusammengehörigkeit der Funde gesichert ist. Daher rät er vor allen weitreichenden Schlussfolgerungen ab.

André Godard schlug eine Datierung in das 9. Jh vor. Heute wird eher die zweite Hälfte des 7. Jh. v. Chr. angenommen, es gibt aber zweifellos Stücke, die älter sind. Stilistisch lassen sich eine Reihe von Stücken in die Periode Hasanlu III A stellen.

Funde;

Die Wanne: Die Funde lagen angeblich in einem badewannenähnlichen Sarg aus Bronze, der nur in Fragmenten erhalten ist. C. Burney datiert ihn um 730, es handelt sich also vielleicht um ein Altstück. Der obere Rand zeigen einen Zug von Tributträgern im assyrischen Stil. Ihre Kleidung kennzeichnet sie als Bergbewohner. Sie tragen Trinkhörner, Weinschläuche, Gefäße und ein Stadtmodell. Wein ist als ein Produkt von Manna bekannt, die Ikonographie seiner Bewohner kennt man aber nicht. Außerdem ist noch die Darstellung einer Ziege erhalten, die auf einer Rosette steht.

Vergleichbare Funde sind aus Ur und Zincirli (Sam’al) bekannt. Die beiden Wannen aus Ur stammen aus Schichten der neubabylonischen- und Perserzeit und enthielten Frauenbestattungen. Die Wanne aus Zincirli diente dagegen wohl tatsächlich der Körperpflege.

Elfenbein: Die meisten Elfenbeinplatten waren wohl ursprünglich Möbelteile. Solche eingelegten Möbel sind aus assyrischen Reliefs und aus den Königsgräbern von Salamis bekannt. Die Platten stammen aus assyrischen und urartäischen Werkstätten, die in die Zeit von Tiglat-Pileser III. (747-727 v. Chr.) zu datieren sind. Andere Elfenbeinplatten entstammen wohl den Werkstätten von Hasanlu. Einige der Elfenbeinplatten weisen Brandspuren auf, es handelt sich also entweder um Kriegsbeute, oder sie stammen aus der Zitadelle von Ziwiye.

Gold- und Silberschalen: Die Goldschalen werden stilistisch assyrischen, nordsyrischen, urartäisch-skythischen und mannäischen Werkstätten zugeordnet. Ein vergoldeter Silberteller zeigt einen Hasen, ein katzenartiges Raubtier und den Kopf eines Greifvogels. Er wird meist als rein-skythische Arbeit gedeutet.

Rhytha: Rhytha, also Trinkhörner aus Gold zeigen die Köpfe von Wildschafen und Gazellen als Protome (Verzierung der Spitzen). Große Flächen des Gefäßkörpers bleiben unornamentiert und weisen im Stil bereits auf den achämenidischen Reichsstil. Eine Anzahl vergleichbarer Rhytha aus Silber aus dem Nordiran stammt aus dem Kunsthandel.

Pektoral: Ein goldener Brustschmuck (Pektoral) wird meist in das 7. Jh datiert. Er zeigt eine Prozession von geflügelten Mischwesen, geflügelte Stiere, geflügelte Genien mit Stierfüßen, Greifen mit menschlichen Beinen und geflügelte Widder, zu einem zentralen Lebensbaum, der von Palmetten gekrönt ist und zeigt assyrischen und urartäischen Einfluss; M. van Loon spricht von einem syro-uratäischen Stil. Pektorale finden sich jedoch besonders auf urartäischen Darstellungen von Königen oder Göttern.

Schmuck: Goldene Armreife mit Löwenfiguren stammen vermutlich ebenfalls aus Urartu. Weiterhin gehören zu den Funden noch Torques, Ketten, Goldgürtel mit viereckigen ornamentierten Platten und sechs Ösen und Ohrringe. Ein goldenes Diadem war mit Rosetten verziert.

Waffen: Der Schatz enthält auch Waffen aus Bronze und Eisen (zwei Eisen-Schwerter, Pfeil- und Lanzenspitzen), hier wird meist angenommen, dass diese ursprünglich aus der Festung selber stammen. Goldene Ortbänder und aufwendig gestaltete goldene Aufsätze für Schwertgriffe stammen dagegen eher aus dem Hort eines Herrschers. Eines der Ortbänder ist mit der Darstellung eines Panthers verziert.

Pferdegeschirr :Außer den üblichen ehernen Trensenstangen fanden sich in dem Schatz auch Geschirrteile aus Silber.

Einige Bestandteile des Schatzes, besonders die Rhytha (Trinkhörner) und die Goldschalen, werden als Vorstufe der achämenidischen Reichskunst angesehen (E. Herzfeld, A. Godard).

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