Mittwoch , 26 Januar 2022
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Probleme bei der Einteilung der Sprachen nach universalen Gesichtspunkten – Beispiel das Persische

Kaveh Bahrami Sobhani [1]  |  Die Sprachen können nach unterschiedlichen Kriterien, z.B. genetisch, geografisch und etymologisch, eingeteilt werden. Diese Klassifikationstypen ermöglichen neue Erkenntnisse und erlauben einen Vergleich der verschiedenen Sprachen. Bei der Sprachtypologie geht es um die Klassifikation der Sprachen nach grammatikalischen Merkmalen. Die Sprachtypologie ist bestrebt, die Sprachen nach ihrer Struktur zu gruppieren und dabei ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufinden.[2] Nach der Sprachtypologie können die Sprachen u.a. nach lexikalischen, morphologischen und syntaktischen Kriterien aufgeteilt werden. Mit diesem Ziel könnten z.B. nach einer typologischen Einteilung zweier genetisch verwandter Sprachen wie Persisch und Deutsch geringe Gemeinsamkeiten herausgefunden werden. Genauso lassen sich gegebenenfalls bei zwei oder mehreren genetisch und geografisch nicht verwandten Sprachen wie Persisch und Urhobo[3] ähnliche grammatische Eigenschaften feststellen, sodass diese Sprachen typologisch einer Gruppe zugeordnet werden könnten.[4]

Zusammenfassend lässt sich wie folgt schlussfolgern:

Im Unterschied zu anderen Disziplinen vergleichender Sprachwissenschaft wie beispielsweise der Indogermanistik, die genealogisch verwandte oder regional benachbarte Sprachen zum Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen machen, stehen im Rahmen sprachtypologischer Ansätze allein systematische Gesichtspunkte im Vordergrund.[5]

In diesem Beitrag werden die morphologische und syntaktische Sprachtypologie kurz erläutert. Es wird dabei der Frage nachgegangen, ob einer Sprache ein reiner Sprachtyp zugeordnet werden kann. Darüber hinaus wird bei der Behandlung der typologischen Klassifikation von Sprachen, insbesondere bei der syntaktischen Typologie, auf die Beispiele eingegangen, die gegen die allgemeinen Prinzipien und Generalisierungen bei der universalen Einteilung von Sprachen verstoßen. Es werden anhand von Beispielsätzen aus mehreren Sprachen Beweise dafür geliefert, insbesondere aus dem Bereich der syntaktischen Sprachtypologie im Persischen, dass die universale Einteilung der Sprachen nicht immer gelingt. Danach ist das Bestreben, eine Abgrenzung zu den alternativen Analysen vorzunehmen und anhand der Beispielargumentation zu untersuchen, ob die Uneinigkeiten in Bezug auf Greenbergs Einteilung der Sprachen (1963) historische Hintergründe haben könnten. Die kritische Behandlung der universalen Einteilung von Sprachen ist deshalb notwendig, weil man bei der Analyse der Sprachen wiederholt beispielsweise mit der Annahme konfrontiert wird, dass Sprachen mit SOV-Grundwortstellung über Postpositionen verfügen oder nur die Bildung der pränominalen Relativsätze zulassen. Zu zeigen ist an dieser Stelle, dass das Persische ein Gegenbeispiel für solche Generalisierungen liefert. Im letzten Abschnitt dieses Beitrags wird der Frage nachgegangen, ob die universale Einteilung der Sprachen mittels eines historischen Überblicks am Beispiel des Persischen zu bestätigen ist. Des Weiteren wird untersucht, ob sich in der Satzstruktur des Alt- und Mittelpersischen offensichtliche Unterschiede zu dem heutigen Persischen entdecken lassen. Im Laufe des vorliegenden Beitrags wird durch Belegsätze auf mehrere Fälle eingegangen, die den universalen Annahmen von Sprachen widersprechen. Einige dieser widersprüchlichen Befunde in Bezug auf das Persische lassen sich jedoch durch die diachronische Behandlung erklären.

http://spektrum.irankultur.com/wp-content/uploads/2021/12/2-Probleme-bei-der-Einteilung-der-Sprachen-nach-universalen-Gesichtspunkten-%E2%80%93-Beispiel-das-Persische.pdf

[1]. Assistenzprofessor an der Shahid Beheshti University, Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur, Fakultät für Literatur und Geisteswissenschaften, Tehran, Iran, E-Mail: k_bahrami@sbu.ac.ir

[2]. Vgl. Altmann/Lehfeldt 1973; siehe auch Croft 2003, S. 1.

[3]. Urhobo ist eine Sprache, die im Süden Nigerias gesprochen wird.

[4]. Vgl. hierzu Vater 2002, S. 277 und Seuren 2004.

[5]. Roelcke 1997, S. 11.

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