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Saadi in der deutschen Geistesgeschichte

Faranak Hashemi | Einleitende Gedanken

Scheich Mosleheddin Saadi, der allgemein als Scheich Saadi bekannt ist, wurde in Schiraz im Süden Persiens geboren. Saadi ist in Persien einer der bekanntesten und meistgelesenen Dichter aus dem 13. Jahrhundert, der sich hauptsächlich mit moralisch-erzieherischen Themen befasst hat. Bereits seit ungefähr sieben Jahrhunderten werden seine Merksätze und Verse, seine Belehrungen und Moralpredigten ähnlich wie Aphorismen, Sprichwörter und Maximen von Mund zu Mund weitererzählt und seine Aussagen gelten als ›Essenz der Weisheitslehre‹ [چکيدۀ حکمت]. Saadi spricht jeden an, sowohl den Gelehrten und Philosophen als auch den einfachen Bürger, der zujener Zeit sogar mit großer Wahrscheinlichkeit Analphabet ist, aber aufgrund Saadis einfacher Ausdrucksweise den Sinn seiner Dichtung verstehen kann. Diesbezüglich sagt Daschti, niemand könne wie Saadi Rhetorik und Schlichtheit [صنعت و سادگی], Stärke, Leichtigkeit und Fluss [استحکام و روانی], Annehmlichkeit, Wonne und Zartgefühl wie auch Empfindsamkeit und Mitgefühl [عذوبت و رقّت] zusammensetzen und so harmonisch reden.

Allgemein ließe sich sagen, dass Saadi in seiner Dichtung zwei Gegensätze miteinander vereint: Er dichtet in einem einfachen und der Alltagssprache ähnlichen Stil, ohne dabei die Grenze der künstlerischen Sprache zu überschreiten. Seine Absicht ist ohne weiteres zu verstehen, trotz der Fülle von Zusammensetzungen und der reifen Ausdrucksweise sowie der Aussagekraft seiner Sätze. Er entnimmt die Themen seiner Dichtung dem Alltagsleben der normalen Bürger mit ihren Nöten und Sorgen und spricht ihre Sprache.

Zweifellos sind die bedeutendsten Merkmale, die zu Saadis außerordentlichem Erfolg und seiner weiten Rezeption beigetragen haben, jene, dass er in seiner Dichtung seine tiefsten Gefühle zum Ausdruck bringt. Seine Hauptbeweggründe sind der innere Schmerz und die innige Liebe. Die leicht verständliche Ausdrucksweise und Themenwahl aus dem täglichen

Leben tragen ebenfalls dazu bei, dass Saadis Werke in Europa flächendeckend rezipiert werden.

Die Untersuchung zur Rezeption seiner Werke in der deutschsprachigen Literatur macht interessanterweise bald deutlich, dass Saadi, im Vergleich zu anderen persischen Dichtern, wie zum Beispiel Hafez, viel früher Eingang in die europäische, besonders in die deutsche Literatur gefunden hat und verbreiteter ist als angenommen, nicht nur in der Zahl der Übernahmen, sondern auch bezüglich der Formen der Rezeption. Bei den Zeugnissen der Saadi-Rezeption handelt es sich nicht allein um Übersetzungen, sondern auch um Nachahmungen, Nachdichtungen und Entlehnungen, um die sogenannte ›Imitation‹ oder ›Adaptation‹. Diese Übernahmen beziehen sich auf verschiedene Jahrhunderte und unterschiedliche Stile.

Saadi in Europa

Die eigentliche Bekanntschaft der Europäer mit dem Orient und seiner Literatur beginnt in der Zeit, als europäische Gelehrte damit anfangen, orientalische Sprachen zu lernen und verschiedene Länder des Nahen und Mittleren Ostens zu bereisen.

Die erste Saadi-Übersetzung in Europa ist die unvollständige französische Übersetzung des ›Golestan‹ von André du Ryer (1580-1660/1672) aus dem Jahr 1634.2

Danach überträgt Johan Friderich Ochssenbach (1606-1658), den ›Golestan‹ oder ›Königlicher Rosengarten des persischen Poeten Sadi‹ aus dem Französischen des André du Ryer ins Hochdeutsche, seine Übersetzung wird 1636 bei Philibert Brunn in Tübingen gedruckt.3

Der Hofprediger Samuel Gerlach (um 1615-1654) veröffentlicht 1647 belehrende Abschnitte und Gedichte von Saadi unter dem Titel ›Schöne nützliche nachdenkliche, vernünftige, Sinn Lehr und Geistreiche auch anmutige Geschichten und Reden – Aus unterschiedenen Büchern zusammen gelesen und herausgegeben‹.4

 

Weiter unter:

Artikel PDF: /Saadi-in-der-deutschen-Geistesgeschichte1.pdf

Quelle:
Spektrum Iran 2-2017– Wer ist der iranische Dichter-Philosoph Saadi?
http://spektrum.irankultur.com/?p=2235&lang=de

 

1 Vgl. Dashti, A. (O.J.): Qalamro-e Saadi (Das Reich von Saadi): Edare-ye koll-e negaresch-e wezarat-e farhang wa honar, Teheran. 4. Aufl., S. 27.

2 Vgl. Massé, Henri: Essai sur le Poète Saadi, ins Persische übertragen v. M. H. Mahdawi- Ardebili und Gholamhossein Yousefi mit dem Titel ›Eine Untersuchung über Saadi‹ (Tahqiq darbare-ye Saadi), (Die Übersetzung erfolgte laut Angaben im Buch von dem Druck Paris. Paul Geuthner. 1919), Teheran 1985, S. 376.

3 Vgl. Balke, Diethelm: Orient und orientalische Literatur, in: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, hrsg. v. Kohlschmidt, W./Mohr, W., Bd. II., Berlin 1965.

4 Vgl. Franck, Jakob: Gerlach, Samuel, in: Allgemeine Deutsche Biographie 9, 1879 (22-23)

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