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Daqiqi Tusi – Erster Dichter des Schahnameh

Das 10. Jahrhundert nach Christus, welches das vierte nach der Hidschra und dem Mondkalender war, stellt eine der bedeutendsten Epochen für den Aufschwung der neupersischen Literatur – der Literatur auf Farsi – dar.

Kaum eine Epoche in der Literaturgeschichte Irans hat so viele große Dichter hervorgebracht. Die große Zahl von Dichtern und Reimwerken ist ein Merkmal für das vierte Jahrhundert nach der Hidschra. Einer der hervorragenden Poeten war Daqiqi Tusi. Mit vollem Namen hieß er Abu Mansur Mohammad Ibn Ahmad Daqiqi. Sein Geburtsdatum ist nicht genau bekannt, wahrscheinlich ist er Mitte der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts nach der Hidschra auf die Welt gekommen – zwischen 930 und 940 nach Christus. Der Geburtsort lag im Osten des damaligen Irans, entweder war es Tus, oder Balch oder Marw. Forscher sind der Ansicht, dass er schon als Jugendlicher zu dichten begonnen hat. Er wurde aber bereits als junger Mann von seinem Sklaven ermordet.

Daqiqi begann anfangs mit Gedichten in der Form eines meist kurzen Qet`eh oder einem vielstrophigen Qasida oder Ghaselen und gegen Ende seines kurzen Lebens begann er einen Schahnameh zu verfassen – ein Buch der Könige – in dem er die Geschichte der persischen Könige in einem Epos darstellen wollte.

Der Schahnameh von Daqiqi wurde auch unter dem Titel Goschtasp-Nameh bekannt. Goschtasp war einer der iranischen Könige. Mit seinem Goschtasp-Nameh und wegen seiner geheimnisumwobenen Leben ist Daqiqi nach Ansicht einiger Forscher nicht mehr aus der Geschichte des Beginns der Dichtung in Dari-Persisch wegzudenken.

Von Daqiqi sind kurze und längere Gedichte (Qasaid, Ghazelen, Qet`eat und Doppelverse) erhalten geblieben. Sie stehen in verschiedenen Werken über die Geschichte und Literatur und Biografien, viele davon in der Anthologie Lubabul Albab von Zahiriddin Nasr Muhammad Aufi (frühes 13. Jahrhundert n.Chr.). Alle erhalten gebliebenen Reime von Daqiqi zeugen für sein Dichtertalent. Jedoch stellt sein Goschtasp-Nameh das wichtigste und unvergängliche Werk von Daqiqi dar. Dieses Werk handelt von dem Erscheinen des Zarathustra und dem Krieg zwischen dem König Goschtasp und dem turanischen König Ardschasp, der den Zarathustrismus ablehnt. Daqiqi konnte bis zu seinem gewaltsamen Tod tausend Doppelverse (Beyt) zu diesem Mythus schreiben. Firdausi, der bekannte iranische Dichter hat in seinem weltberühmten Werk Schahnameh (Buch der Könige) diese Verse von Daqiqi übernommen und dann die Geschichte der Könige fortgesetzt.

Forscher sind der Ansicht, dass Daqiqi einen Gedichtband besaß, der jedoch im Laufe der Zeit bis auf einige Ghaselen und Qet`eat verloren ging. Anhaltspunkte sprechen dafür, dass der Gedichtband von Daqiqi bis in die Epoche von Nasser Chosrou, d.h. bis ins 5. Jahrhundert nach der Hidschra, dem 11. Jahrhundert nach Christus noch vollständig existierte.

Daqiqis Dichtung war schlicht und flüssig. Auch seine Allegorien  waren einfach zu verstehen und nachvollziehbar und von daher war seine Dichtung beliebt. Er schrieb auch Lob- und Preisgedichte, von denen aber nur wenig erhalten geblieben ist. Darin pries er die Natur und bestimmte Personen überschwänglich.

Forscher betrachten die Epoche von Daqiqi in Chorasan (Nordostiran) als Epoche der Entfaltung der Dichtung und bekannter Dichter und als Epoche der Wiederbelebung antiker Traditionen. In dieser Zeit haben viele Dichter begonnen, die Werke der Vergangenheit und die Erinnerung an kulturelle Größen wiederzubeleben.  Und so wurde die Dichtung auf Neupersisch (Farsi),  die in den Werken von Rudaki und Schahid Balchi  bereits einen vorzüglichen Charakter angenommen hatte, weiter entfaltet. Viele Dichter versuchten die arabische Dichtkultur durch die in Vergessenheit geratene Traditionen der früheren Kultur Irans zu ersetzen. Einer von ihnen war Daqiqi.

Daqiqi hat gegen Ende seines Lebens begonnen seinen Schahnameh zu verfassen. Er schaffte tausend Doppelverse. Diese bezogen sich nur auf die Geschichte von Goschtasp das Erscheinen des Propheten Zoroaster und der religiös motivierte Krieg zwischen Goschtasp und Ardschasp. 

Mit dem Tod von Daqiqi blieb sein Buch der Könige unvollendet und wäre nicht Firdausi gewesen, dann wären wahrscheinlich auch diese tausend Doppelverse, wie viele andere Gedichte von Daqiqi und seine Gedichtbände zunichte geworden. Aber Firdausi hat die tausend Doppelverse von Daqiqi ohne irgendwelche Änderung in seinem Schahnameh wiedergegeben.

Nach Aussagen von Firdausi war ihm Daqiqi im Traum begegnet und hatte ihn gebeten seinen Gotschtasp-Nameh zu übernehmen. Firdausi erfüllte seinen Wunsch in seinem Schahnameh – dem Buch der Könige – und überließ Daqiqi in seinem Werk solange Wort, wie es um die Geschichte von Goschtasp ging. Die tausend Doppelverse von Daqiqi, die Firdausi in seinem Buch der Könige anführt, bilden in Wahrheit einen Wendepunkt zwischen dem religiösen Epos und dem nationalen Epos in der antiken Welt des iranischen Volkes.

Forscher sagen, der deutliche Unterschied zwischen dem Epos von Daqiqi und den Epen von Firdausi  liegt in dem Stil der Dichter vor und wird durch die großartige Ausdrucksweise des Firdausi deutlich. Einen weiteren Unterschied sehen sie darin, dass diese tausend Doppelverse nicht von einem Dichter mit der Größe von Firdausi geschrieben wurden und kein so beeindruckender Held darin vorkommt wie der Rostam im Schahnameh von Firdausi. Daher ist der Schahnameh des Daqiqi nie so berühmt geworden, wie er es verdient hätte.

Wie auch immer: Die Doppelverse von Daqiqi sind Bestandteil des Buches der Könige von Firdausi und verdienen Beachtung.

Die Verse von Daqiqi beginnen mit:

چو گشتاسب را داد لهراسپ تخت
فرود آمد از تخت و بر بست رخت
به بلخ گزین شد بدان نو بهار
که یزدان پرستان آن روزگار
مر آن خانه را داشتندی چنان
که مر مکه را تازیان این زمان

Diese Verse handeln von dem König Lohrasp der das Zepter dem  Goschtasp übergab:

Als Lohrasp dem Goschtasp den Thron überließ
Stieg er herab und legte die Krone nieder
Er ging nach Balch und wurde ein Asket
Und widmete sich dort dem Gebet…

Derweil kümmerte sich Goschtasp, der frisch zum Herrscher geworden war um die Angelegenheiten des Landes.

Er lud das Volk zur Religion Gottes, welche die Gerechtigkeit verkündet, ein und war selber um Gerechtigkeit bemüht. Alle anderen Könige zahlten ihm eine Steuer bis auf Ardschasp, der König von Turan in Zentralasien, der seinerseits von Goschtasp Steuer verlangte.  Als Zoroaster in Erscheinung trat, hatte sich Goschtasp seiner Religion angeschlossen und verbreitete den Zarathustrimus in seinem Reich. Ardschasp erfuhr davon und befürchtete, dass Goschtasp sein Land Turan angreifen werde.

Also schrieb er dem Goschtasp einen Brief und schickte ihm zahlreiche Geschenke, um ihn zu mahnen und zugleich um ihn zu beschwichtigen. Aber Goschtasp ließ sich nicht beeindrucken und so kam es zu einem harten Krieg zwischen seinem Heer und dem Heer des Ardschasp. Viele Soldaten von Ardschasp wurden getötet und Ardschasp selber ergriff die Flucht. An dieser Stelle bricht der Goschtasp-Nameh von Daqiqi ab. Aber Firdausi knüpft an diese Stelle an und schreibt die Geschichte der Könige weiter.

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