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Interview: Der Putsch von 1953 und die Islamische Revolution im Iran 1979

Der Jahrestag der Gründung der Islamischen Republik Iran wiederholt sich in diesem Jahr zum 44. Mal. Wir sprachen mit dem Soziologen und Nahost-Experten Dr. Markus Fiedler über den Zusammenhang zwischen dem Putsch von 1953 und der Islamischen Revolution in Iran.

F.: Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Putsch gegen Mossadegh und der Islamischen Revolution im Iran?

A.: Der deutsche Nahostexperte Michael Lüders bezeichnete den vom amerikanischen Geheimdienst CIA inszenierten Putsch gegen den iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh 1953 als „Sündenfall“. In seinem Buch „Wer den Wind sät“ schrieb er auch: „Ohne Putsch 1953 keine Islamische Revolution 1979. Diese Einsicht fällt der amerikanischen Politik noch immer schwer.“

Ich kann jetzt hier nicht auf die Ursachen der Revolution 1979 eingegangen werden. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle, man denke etwa an die Islamische Renaissance. Der Putsch von 1953 hatte jedoch Folgen, die die Frage der nationalen Souveränität berühren und die Lösung der Probleme durch eine Islamische Revolution nahelegen, worauf wir bestimmt noch eingehen werden.

F.: Können wir zunächst auf die Vorgeschichte des Umsturzes von 1953 eingehen. Da spielte ja die Frage der Ausbeutung der iranischen Ressourcen die Hauptrolle…

A: Die Erdölförderung im Iran wurde von Anfang an von ausländischen Mächten kontrolliert. Seit der ersten erfolgreichen Erdölbohrung im Iran 1908 kontrollierte die Anglo-Persian Oil Company (AIOC) die iranische Erdölförderung. Die Gewinne flossen daher hauptsächlich nach London und verblieben nicht im Iran. Die amerikanische Historikerin Nikki Keddie drückte dies wie folgt aus: „Die AIOC bezahlte viel mehr Geld in Form von Einkommenssteuer an die britische Regierung als in Royalties an die iranische Regierung.“ Nachdem das iran. Parlament am 15.3.1951 das Erdöl nationalisierte, reagierte Großbritannien mit einer völkerrechtswidrigen Seeblockade der iran. Häfen.

Daraufhin wählte das iran. Parlament am 28.4.1951 Mohammed Mossadegh zum Premierminister. Mossadegh war bereit, den großen Erdölkonzernen die Stirn zu bieten und die Nationalisierung des Erdöls zu verteidigen. Er flog sogar in die USA, weil er hoffte, deren Unterstützung im Kampf gegen die Briten zu erhalten. In einer Rede vor der UNO am 15.10.1951 machte er deutlich, dass Erdöl der wertvollste Rohstoff des Landes sei und benötigt würde, um die Bevölkerung aus der Armut zu führen. In seiner Rede bemerkte er auch: „Der Sicherheitsrat ist nur dann ein Refugium für schwache Staaten, wenn die mächtigen Staaten die Prinzipien der UNO achten.“ Hinter den Kulissen arbeiteten Briten und Amerikaner allerdings bald am Sturz von Mossadegh.

F.: Wie lief der Umsturz ab und wie zuverlässig sind die Quellen, auf die wir uns stützen können?

A.: Durch das Buch von Kermit Roosevelt, der damals bei der CIA tätig und am Umsturz beteiligt war, können wir uns heute ein klares Bild von Organisation und Verlauf dieses Umsturzes machen.

Die genauen Abläufe sind inzwischen weitgehend geklärt, da zahlreiche, ursprünglich in den USA geheim gehaltenen Dokumente seit 2013 zugänglich sind. Aus den Akten geht eindeutig hervor, dass die sogenannte „Operation Ajax“ eine völkerrechtswidrige Aktion des US-Geheimdienstes CIA und des britischen MI6 im August 1953 im Iran war, mit der Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt werden sollte. „Es war keinesfalls die Absicht der CIA“, „einen militärischen Konflikt auszulösen“, was mit den 900 Mann der amerikanischen Militärmission auch nicht möglich gewesen wäre, sondern „den Widerstand gegen Mossadegh zu organisieren und zu koordinieren“.

Der Plan wurde am 1. Juli 1953 vom britischen Premierminister Winston Churchill und am 11. Juli 1953 vom amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower genehmigt.  Mit Fazlollah Zahedi sollte ein neuer Premierminister installiert werden. Zahedi hatte sich mit Mossadegh überworfen, nachdem Mossadegh die kommunistische Tudeh-Partei, die Teil der Nationalen Front war, an der Regierung beteiligt hatte.

Auf Anweisung von Präsident Eisenhower bewilligte CIA-Chef Allen Dulles 1 Million Dollar für Aktivitäten zum Sturz von Mossadegh. – für „jede Maßnahme“, so hieß es, die geeignet war, „zum Sturz Mossadeghs zu führen“. Sein Bruder, der US-Außenminister John Foster Dulles, wies den US-Botschafter in Teheran an, putschwillige Iraner als Helfer zu rekrutieren.

In der sogenannten „Operation Ajax“ kidnappten und erschossen vom CIA geschmierte Iraner zunächst den Teheraner Polizeichef General Afshartus, einen Unterstützer Mossadeghs. Mit anderen Generälen nahm man Kontakt auf, um deren Unterstützung zu gewinnen. Kermit Roosevelt reiste zu Schah Mohammed Reza Pahlavi und forderte die Entlassung Mossadeghs, andernfalls würde seine Dynastie beendet werden. Am 3. August 1953 hatte Roosevelt eine lange Unterredung mit Schah Mohammad Reza Pahlavi. In den Planungsunterlagen von TPAJAX wurde festgehalten, dass

„Wenn der Schah nicht den Vorschlägen der Vertreter der US-Regierung folgt, und die entsprechenden Dokumente unterzeichnet, wird General Zahedi davon in Kenntnis gesetzt, dass die Vereinigten Staaten auch ohne die aktive Zusammenarbeit mit dem Schah handeln werden.“

Roosevelt handelte nach klare Anweisungen. Er sollte dem Schah deutlich machen, dass,

„wenn er nicht kooperiere, seine Dynastie bald am Ende sein werde. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien hatten ihn in der Vergangenheit, trotz einiger Missverständnisse, unterstützt und würden ihn auch in Zukunft unterstützen. Wenn er allerdings jetzt nicht handle, würde diese Unterstützung beendet.“

Roosevelt machte dem Schah deutlich, dass wenn er nicht eingreife, der Iran kommunistisch würde oder ein zweites Korea drohe.

Am 13. August 1953 gab der Schah nach. Der Schah unterzeichnete die Entlassungsurkunde von Premierminister Mossadegh und die Ernennungsurkunde von General Zahedi zum neuen Premierminister.

Da es um die Frage der iranischen Souveränität geht soll darauf hingewiesen werden, dass auch die damalige Sowjetunion aktiv wurde.  Sie ernannte einen neuem Botschafter, der die kommunistische  Tudeh-Partei, die an der Regierung Mossadegh beteiligt war, entsprechend beraten konnte.

So war es damals um die Souveränität des Landes bestellt. Mossadegh bekam seine Entlassungsurkunde, doch er wandte sich in einer Radioansprache an das Volk und sprach von einem Staatsstreich. Mossadegh erklärte darin, dass in der vergangenen Nacht ein Staatsstreich gegen die Regierung versucht wurde, bezeichnete Zahedi und seine Helfer als Verräter und setzte eine Belohnung von 500.000 Rial für die Ergreifung Zahedis aus. Der Schah floh in Begleitung seiner Frau am 16.8.1953 nach Bagdad, als er erfuhr, dass sich Mossadegh der Entlassung widersetzt hatte und traf dort mit dem US-Botschafter im Irak Burton Berry zusammen. Nach dem Treffen erklärte der Schah vor der internationalen Presse, dass er Premierminister Mossadegh entlassen und durch General Zahedi ersetzt hätte, weil Mossadegh systematisch die Verfassung verletzt hätte. Er hätte das Land verlassen, um Blutvergießen zu vermeiden, habe aber nicht abgedankt und werde umgehend zurückkehren, um seinem Land weiter zu dienen. Mit einer gecharterten Privatmaschine flog der Schah am 18. August 1953 weiter nach Rom.

Unterdessen begann im Iran angesichts der offenbaren Flucht des Schahs die politische Diskussion um  einen Wechsel der Staatsform von der Monarchie zur Republik. Die Tudeh-Partei drängte auf die Ausrufung der Republik und die Eröffnung eines Prozesses gegen den Schah. Am gleichen Tag wurde von militanten Mitgliedern der Tudeh-Partei das Grabmal Reza Schah Pahlavis in Rey aufgebrochen und beschädigt. Parlamentspräsident Ajatollah Kaschani und sein Stellvertreter Ajatollah Behbahani wandten sich gegen Mossadegh. Behbahani warnte in öffentlichen Aufrufen vor der „Roten Gefahr“, die durch Mossadegh zum Niedergang des Islam führen würde. General Teymur Bachtiar, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Kermānschāh, stellte sich eindeutig auf die Seite von Schah Mohammad Reza Pahlavi und beabsichtigte mit seinen Truppen in Teheran einzumarschieren.

Kermit Rossevelt organisierte für den 17. August 1953 eine Pro-Schah-Demonstration. Zu diesem Zweck wurde von Roosevelt ein bekannter Kraftsportler aus den Zurchanehs mit dem Namen Schabân Jafari (von seinen Gegnern Schaban der Hirnlose genannt) beauftragt, mit 300 bis 400 Rowdys Unruhe zu stiften – sie sollten Pro-Schah-Parolen skandieren. US-Botschafter Loy Henderson wechselte am 18. August 1953 in Teheran ca. 400.000 US-Dollar bei der persischen Staatsbank Melli in Rial und Toman. Passanten, die „Hoch lebe der Schah“ schrien, bekamen danach wiederum von Jafari eine 10-Rial-Banknote.

Im Basarviertel sammelten sich Pro-Schah-Demonstrationen gegen neun Uhr und zogen dann durch die Straßen Teherans mit Pro-Schah-Rufen. Die Pro-Mossadegh-Truppen, die zwar alarmiert waren und wichtige Positionen in Teheran besetzt hatten, verhielten sich neutral bzw. waren nach einer Rede General Zahedis auf dem Parlamentsplatz Baharestan auf dessen Seite übergelaufen. Es war allerdings die Armee, die die entscheidende Wende brachte, die Masse der Demonstranten ist nur für einige besondere Aufgaben eingesetzt worden, um der Intervention der Militärs einen spontan-populistischen Charakter zu verleihen. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Mossadegh-Anhängern und General Zahedi loyal ergebenen Truppen, die vorwiegend vor dem Haus Mossadeghs stattfanden und über 200 Tote und 300 Verwundete forderten. Schließlich gab Mossadegh auf. Er betonte in einer kurzen Erklärung, dass er der rechtmäßige Premierminister sei, dass aber die Sicherheitsorgane seinen Anweisungen nicht mehr nachkämen. Die Demonstranten vor dem Haus von Mossadegh drangen in das Gebäude ein und plünderten es. Mossadegh war über die Gartenmauer in das Nachbarhaus geklettert und hielt sich dort die Nacht über verborgen. Am nächsten Tag wollte Mossadegh sich den Sicherheitsorganen stellen. Er begab sich zunächst in das Haus eines seiner Minister und wurde dort von Polizisten, die nach ihm gesucht hatten, entdeckt und festgenommen.

Vom CIA finanzierte Banden stürmten das Armeehauptquartier und die Polizeizentrale. Wie skrupellos dabei vorgegangen wurde, zeigen auch „False-Flag“-Anschläge, bei denen Muslime getötet wurden, um die Schuld an den „Unruhen“ letztlich Kommunisten in die Schuhe zu schieben.

F.: Was waren denn nun die Folgen des Staatsstreichs?

A.: Die westlichen Medien berichteten lediglich über Unruhen im Iran, die Handschrift der CIA beim Staatsstreich blieb unsichtbar.

Was die Ölpolitik betrifft, so war es eine der ersten Maßnahmen nach dem Sturz Mossadeghs, die Verstaatlichung des Erdöls rückgängig zu machen. Im Jahr 1954 übernahm ein internationales Konsortium für die nächsten 25 Jahre die Förderung und Vermarktung des iranischen Erdöls. Dabei wurde der britische Anteil auf 40 % reduziert, bei gleichzeitigem Einstieg von fünf amerikanischen Ölgesellschaften mit 40 % Geschäftsanteil, 14 % gelangten an Royal Dutch Shell und 6 % an das französische Unternehmen CFP (später TotalEnergies). Der iranische Gewinnanteil an den Erdöleinnahmen betrug zunächst 25 %. Der Vertrag wurde nach der durch den Schah initiierten Gründung der OPEC mehrfach geändert, so dass der iranische Anteil an den Erdöleinnahmen am Ende mehr als 50 % erreichte. Die Laufzeit des Konsortialvertrages endete 1979

Jede nach dem Sturz Mossadeghs vom Parlament bestätigte Regierung arbeitete eng mit dem Schah zusammen. Reformen wie z. B. die Weiße Revolution wurden explizit vom Schah vorgestellt. Auch kann die Gründung des iranischen Geheimdienstes SAVAK als Folge der Regierungszeit Mossadeghs angesehen werden. Nach diesen Vorkommnissen wollte der Schah seine Position unter allen Umständen festigen. Der SAVAK bekämpfte jede Opposition rigoros, Widerstand gegen die Politik des Schahs wurde unterdrückt, bis es dann 1979 zur Islamischen Revolution und zum Sturz des Schahs kam.

Kurzfristig war der Putsch von 1953 den Amerikanern von großem Nutzen. Denn er sicherte den USA 25 Jahre lang die Treue des Schahs und den nahezu ungehinderten Zugriff auf die iranischen Ölreserven. Doch langfristig erwies sich der Umsturz als großer Fehler. „Unter Historikern ist man sich da relativ einig“, denn noch Anfang der 1950er Jahre waren die USA nicht nur im Iran, sondern im gesamten Mittleren Osten beliebt als ein Staat, der sich selbst aus dem Zustand des Kolonialismus von Europa befreit hatte. Nun wurden die USA auch im Mittleren Osten als imperialistische Macht wahrgenommen, die aus knallharten wirtschaftlichen Interessen handelt und deren Gerede von Demokratie und Menschenrechten reine Heuchelei ist.

Der Umsturz führte aber auch zunächst dazu, dass die USA in der Folge zur dominierenden Macht im Iran aufstiegen. Die USA forderten für ihre Unterstützung beim Putsch zunächst einen gleichwertigen Anteil des iranischen Erdöls. US-Ölkonzerne wie Esso und Golf Oil erhielten zunächst einen 40%-igen Anteil (wie die britischen Ölkonzerne). Doch nicht nur das. Die USA entsandten Militär, um die Armee des Schahs zu trainieren.

F.: Wo sehen Sie denn nun einen Zusammenhang mit der Islamischen Revolution von 1979?

A.: Das Problem, dass das spätere Revolutionsoberhaupt Ayatollah Khomeini aufwarf, ist die Frage der Souveränität.

Wie in Deutschland und anderen Ländern auch, die von der Anwesenheit des US-Militärs beglückt werden, durften US-Soldaten nicht vom iranischen Gesetz belangt werden. In Deutschland ist dies offiziell kein Grund zur Aufregung, doch in anderen Ländern und Völkern herrscht vielleicht eine andere Auffassung von nationaler Würde und Souveränität. Als der Schah 1964 ein derartiges Gesetz unterschrieb, sprach der schiitische Geistliche Ayatollah Khomeini von „Kapitulation“ und schrieb: „Wenn ein amerikanischer Offizier den Schah des Iran ermordet, können wir ihn nicht vor Gericht bringen.“ Khomeini wurde für diese Kritik vom Schah des Landes verwiesen und ging bis zu seiner triumphalen Rückkehr 1979 ins Exil.

F.: Wie ist es mit der Souveränität des Iran nach der Islamische Revolution von 1979 bestellt?

A.: Es war ein großer Schock für Washington, als im Jahr 1979 im Iran eine Revolution ausbrach und der Schah aus dem Land fliehen musste. Die US-Armee war in ihrer globalen Handlungsfähigkeit nur wenige Jahre nach der Niederlage in Vietnam eingeschränkt. Hilflos musste die US-Regierung mit ansehen, wie einer ihrer zentralen Pfeiler in der Region zusammenbrach.

Durch die Revolution von 1979 verloren die amerikanischen und europäischen Konzerne wieder die Herrschaft über das iranische Öl. Deshalb bedrohen heute die USA wieder den Iran, über 65 Jahre nach dem Sturz Mossadeghs. Die wirtschaftlichen Sanktionen gehen Hand in Hand mit der militärischen Aufrüstung der USA am Golf. Sie sind Teil einer Eskalation, die die Region gefährlich nah an den Rand eines weiteren Krieges bringt.

Zweifellos errang der Iran nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 zum ersten Mal seine nationale Souveränität.

Die ökonomische und militärische Dominanz der USA im Land wurde gebrochen. Bis zum heutigen Tag musste und muss diese Souveränität allerdings gegen alle Regime Change-Versuche der USA, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und erneut eine Marionettenregierung zu installieren, verteidigt werden. Dem Land wurde gleich nach der Revolution weiterhin ein achtjähriger Krieg aufgezwungen. Am 22. September 1980 überfiel der Irak unter Saddam Hussein den Iran, wobei er die militärische, ökonomische und diplomatische Unterstützung der Supermächte USA und UdSSR und europäischer Staaten (wie Frankreich) genoss. Es gibt starke Indizien dafür, dass Saddam ein Angriff auf den Iran von der US-Seite nahegelegt wurde, wobei die günstige Situation und die momentane militärische Schwäche des Iran betont wurde.[1] So soll Zbigniew Bzezinski, Berater mehrerer US-Präsidenten, Saddam Hussein Ende des Jahres 1979 zu einem Angriff auf den Iran gedrängt haben, um sich die ölreiche iranische Provinz Khuzistan anzueignen. Brzezinski selbst erklärte später, dass er nichts „irakisches Vorgehen gegen den Iran“ einzuwenden hatte.

F.:  Hätte auch eine sozialistische Revolution die Souveränität bewahrt?

A.: Die Souveränität musste allerdings auch in anderer Hinsicht verteidigt werden – und das konnte nur unter dem Banner der Islamischen Revolution und Losungen wie „Weder Washington noch Moskau, Islam ist die Lösung“ geschehen.

Die iranische Revolution von 1979 wurde von einer breiten Anti-Schah-Koalition unter der Führung von Ayatollah Khomeini angeführt. In ihr vertreten waren Linke verschiedenster Couleur, von denen sich manche an der UdSSR und andere an Maos China orientierten. Es war klar, dass die unter einem Dach vereinten, zum Teil so unterschiedlichen Strömungen früher oder später in einen Konflikt über die Richtung der Revolution geraten würden. Anfang des Jahres 1979 gab es bewaffnete Gruppen der verschiedenen Richtungen im Iran. Bereits am 12. Februar ermahnte Khomeini die Menschen, „Sabotage, Diebstahl und Brandstiftung“ zu unterlassen und „jedes unislamische und unmenschliche Verhalten“ zu vermeiden. Einen Tag später forderte er die Menschen im Land dazu auf, die Waffen abzugeben.

Entscheidend für die Bewahrung der Souveränität war die Entschlossenheit Khomeinis, sich nach der Befreiung von der US-Hegemonie nicht in eine neue Abhängigkeit von Moskau oder Peking zu begeben. Westliche Sozialwissenschaftler konnten sich zur damaligen Zeit nur eine „sozialistische Revolution“ vorstellen. Diese hätte allerdings höchstwahrscheinlich in eine neue Abhängigkeit von Moskau gemündet (wie dies in Kuba der Fall war), ein viel größeres Blutbad angerichtet und das Land endgültig zerrissen. Was vor allem vielen politisch Engagierten aus dem linken Lager offenbar heute nicht bewusst ist: Ein erfolgreicher Regime Change bzw. der Sturz des derzeitigen politischen Systems hätte unweigerlich zur Folge, dass in Teheran ein Marionettenregime von Washingtons Gnaden an die Macht käme, was unweigerlich den Verlust der politischen Souveränität nach sich ziehen würde. Man hat nicht die Wahl zwischen dem derzeitigen und einem besseren „Regime“, sondern nur zwischen der Islamischen Republik und einem Marionettenregime.

[1]     Vgl. Khan, Mansur: Die geheime Geschichte der amerikanischen Kriege 2001, S. 347 f.

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