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Schihab ad-Din Suhrawardi

Schihab ad-Din as-Suhrawardi (1154–1191) (persisch شهاب الدين يحيى سهروردی) ist der Begründer der illuminationistischen Philosophie (Hikmat al-Ishrāq), die zum Kennzeichen der persischen Philosophietradition wurde.

Suhrawardi wurde 1154 im Nordwesten Irans geboren. Sein Studium der Theologie und der Philosophie absolvierte er in Maragha (Aserbaidschan) und Isfahan. Seine eigene Schaffensperiode begann er knapp dreißigjährig (1183) in Aleppo, Syrien. Wenige Jahre später wurde er jedoch auf Befehl Saladins (Salah ad-Din) hingerichtet. Die genaue Ursache für seine Tötung ist unbekannt, es wird spekuliert, dass sein Tod religiöse oder politische Hintergründe hatte. Auf Grund der Umstände seines Todes wird Suhrawardi auch „al-Maqtul“ (der Getötete) genannt.

Suhrawardis illuminationistische Lehre

Suhrawardi beschäftigte sich in seinen Lehren besonders mit der Erkenntnistheorie. Sein Interesse galt der Frage, wie man Wissen erlangen könne und welche Gültigkeit es besitze. Er entwickelte seine eigene Lehre anhand einer Kritik und Weiterentwicklung der peripatetischen Philosophietradition, wie Ibn Sina (Avicenna) sie vertrat. Die Peripatetiker gingen von einer konstanten, absoluten und universellen Gültigkeit der Wahrheit aus, die beispielsweise mit der aristotelischen Methode feststellbar sein sollte. Für Ibn Sina gab es sowohl den aristotelischen Erkenntnisweg als auch intuitives Erkennen.

Für Suhrawardi gab es jedoch nur intuitive Erkenntnis. Er wehrte sich dagegen, dass ein Gegenstand in bestimmten Kategorien wahrgenommen werden könne. Seiner Ansicht nach wies jeder Gegenstand eine bestimmte Essenz auf, die nicht durch die Feststellung bestimmter Merkmale oder die Einordnung in ein Schema erfasst werden könne. Suhrawardi plädierte deshalb den direkten, intuitiven Zugang zum Gegenüber, denn nur so könne die Einzigartigkeit eines Gegenübers und seiner speziellen Eigenschaften erkannt werden. Das Erkennen ist vergleichbar mit der Erfahrung von Schmerzen, die auch unmittelbar verläuft.Suhrawardi nennt es deshalb auch ein „Erkennen (bzw. ein Wissen) durch Gegenwart“. Den Erkenntnisprozess verglich er mit dem Vorgang des sinnlichen Sehens. Der Gegenstand müsse als Ganzes wahrgenommen werden und im Bewusstsein gegenwärtig sein. Dieses Erkennen nannte er den Vorgang der Illumination oder der Erleuchtung. Im Moment des Erkennens empfängt man nach Suhrawardi einen Lichtstrahl.

Der Strahl ist nach Suhrawardi nicht bildlich gemeint, denn für ihn ist alles, was existiert, die gesamte Realität Licht. Alles Seiende besteht aus Licht. Gott ist das absolute, vollkommene Licht, das Licht der Lichter. Er hat die Welt erschaffen, indem er Ströme von Licht ausgesendet hat. Je nachdem, wie viel Licht den einzelnen Dingen zuteilwurde, nehmen sie in Gottes Schöpfung einen unterschiedlichen Rang ein. (Rudolph 2004: 84)

Die für Suhrawardi nächstliegende Erkenntnisfrage ist auf das Selbst gerichtet. Für Suhrawardi lässt sich Selbsterkenntnis durch Askese und die Loslösung von Dunkelheit erreichen. Er beschrieb eine Reihe von asketischen Praktiken (wie z. B. 40 Tage fasten und Enthaltsamkeit von Fleisch). Dies solle helfen, um die Dunkelheit loszuwerden und sich auf die Welt des Lichts vorzubereiten. Auf diese Weise gereinigt, ist man bereit, das göttliche Licht zu empfangen. Dies kann durch Lichtblitze geschehen, die die Grundlage für wahres Wissen bilden.

Durch seine Lehre der Illumination räumte Suhrawardi mystischem und intuitivem Wissen einen ganz neuen Stellenwert in der Erkenntnislehre ein. Die von Suhrawardi eingeführte Illuminationslehre prägt bis heute die persische Philosophietradition.

 

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dpa

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