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Die Bedingungen für die Möglichkeit menschlicher Solidarität basierend auf den Meinungen von Rorty und Rumi

Alireza Omidbakhsh, Fazel Asadi Amjad, Mohammad Reza Yarahmadi 

Tracy Llanera ist Assistenzprofessorin und Forscherin am Institut für Ethik und Gesellschaft der University of Notre Dame, Australien. Sie forscht auf den Gebieten Ethik, Religionsphilosophie, soziale und politische Philosophie sowie Pragmatismus. Ihre Fachkenntnisse liegen in den Bereichen Nihilismus, Glaubenwechsel und Sprachpolitik. In einem Artikel mit dem Titel „Richard Rorty und das Konzept der Erlösung“ gibt sie zu: „Es ist überraschend, warum ein säkularer Pragmatiker wie Richard Rorty in seinen jüngsten Schriften Konzepte voller Religions- und Erlösungsbegriffe verwendet. Für Rorty geht es bei der Erlösung um menschliche Beziehungen, nicht um Religion oder Philosophie” (103). Allerdings äussert sich Richard Rorty ‚Im Vorrang der Demokratie vor der Philosophie‘: „Sowohl Religion als auch Philosophie sind unbestimmte allgemeine Begriffe und beide unterliegen einer überzeugenden Neudefinition. Wenn wir diese Begriffe sehr allgemein definieren, kann davon ausgegangen werden, dass jeder, auch Atheisten, einen religiösen Glauben haben“ (30-31).

In einem Artikel mit dem Titel „Studie zur Rationalität in den Meinungen von Seyed Hossein Nasr und Richard Rorty“ äußern Seyed Mohammad Kazem Alavi und Zahra Sadeghi Manesch: „Nach Rortys Ansicht wird Religion als Unterdrücker des Dialogs, mit Tyrannei gleichgesetzt, und dies ist eine oberflächliche und umstrittene Auffassung.“ (85) Wenn es um die „Leere des Vergessens des göttlichen Geistes“ (85) geht, ist Rorty unfähig sich zu äussern und hat praktisch keine Antwort. In dem Buch „Liberalism and Cosmopolitanism“ sagt McClean: „Wenn von Religion gsprochen wird, gibt es einen früheren Rorty, der der Meinung ist, dass Religion ein Unterdrücker des Dialogs ist, und einen späteren Rorty, der zugibt, dass Religion nicht unbedingt den Dialog verhindert“ (113). Später versucht Rorty in seinen späteren Schriften diesen Mangel dadurch zu beheben, indem er den Status der Religion respektiert. In einem Artikel mit dem Titel „Rorty, Religion und Humanismus“ sagt Serge Grigoriev: „Es scheint, dass Rortys Argumente für den Ausschluss der Religion aus dem öffentlichen Bereich relativ schwach bleiben und dass sein Interesse an einer Reform der Religion, anstatt sie auszuschlieβen, eher mit seiner allgemeinen Sichtweise übereinstimmend war“ (187).

Wenn wir einen kurzen Blick auf Rortys Philosophie des Neopragmatismus werfen, werden wir durch Theorien wie Verantwortung und romantischer Toleranz im Verhalten der Ironisten in Rortys Utopie und seinem Ziel, nämlich Solidarität zwischen Menschen, mehr oder weniger an völligen Frieden und Solidarität in der Welt, aus den Werken des bekannten iranischen Mystikers Maulana Jalaluddin Molavi erinnert. Allerdings sollte beachtet werden, dass diese Analogie eine falsche Analogie ist. Rorty und Rumi gehören zu zwei unterschiedlichen Zeiten und Orten. Rortys Geographie und Geschichte bezieht sich auf den amerikanischen Pragmatismus, und Rumis Geographie und Geschichte bezieht sich auf einen großen Denker und Mystiker, der ein umfassendes Verständnis der verschiedenen Ebenen der Existenz hat und zwischen diesen Ebenen eine tiefe Beziehung beimisst. Maulana ist eine Mystikerin, der bezüglich des Problems der Existenz an verschiedene Ebenen glaubt und die Wahrheit in den höchsten Ebenen der Existenz sucht. Aber Rorty geht im Kapitel „Kontingenz der Sprache“ aus dem Buch „Kontingenz, Ironie und Solidarität“ eindeutig davon aus, dass die Wahrheit aus der Sprache entsteht[4], und sagt: „Die Wahrheit kann nicht da draußen sein – sie kann nicht unabhängig vom menschlichen Geist existieren – weil Sätze so nicht sein können, können sie nicht da draußen sein. Die Welt ist da draußen, aber die Beschreibungen der Welt sind es nicht“ (34).

Die Frage, die geklärt werden muss wäre, dass es im Neopragmatismus keinen unabhängigen Ursprung namens Wahrheit gibt, der zur Bewertung des untersuchten Standpunkts im Rahmen der philosophischen und metaphysischen Vernunft verwendet werden kann. Der Unterschied zwischen diesen beiden Ansichten weist eine viel tiefere Kluft auf, als das es möglich wäre, diese beiden Denker umfassend miteinandre zu vergleichen. Es stimmt, dass es Ähnlichkeiten zwischen Rorty und Rumi gibt, aber auf den höheren Ebenen der Existenz, wo es darum geht, einen Standard zu präsentieren, nach dem menschliche Beziehungen und die Verbindung zwischen ihnen gestaltet werden sollte, ist dies schwierig. Daher kann man sich nicht zuverlässig auf Rorty und seine Theorien verlassen. In solchen Fällen wird die Existenz aus Notwendigkeit in Frage gestellt und die Fragen, die zwischen den Wesen des ontischen Bereichs oder des Existentials auftreten, müssen mithilfe der Mittel zur Beobachtung des Bereichs der Existenz beantwortet werden. Aus dieser Sicht ist Rorty also nicht mit Rumi vergleichbar. Rumi spricht über jene Existenzebenen, zu denen Rorty aufgrund der Tradition, in der er lebt, nie einen Weg finden kann. Aus diesem Grund zielt dieser Artikel gemäß der hermeneutischen Überschneidung von Ram Adhar Mall darauf ab, diese Ähnlichkeit und Übereinstimmung auf niedrigeren Level der Existenzebenen zu suchen, damit diese Prämissen eine Grundlage bieten, um Rortys Publikum einen weiteren Horizont für die Suche nach Grundlagen der Solidarität auf den ontologischen Ebenen zu bieten haben kann.

Der Hintergrund der Forschung in Bezug auf Rumi:

Hossein Faraji und Ali Akbar Farhangi haben Rumi in einem im „Journal of Epic Literature“ veröffentlichten Artikel mit dem Titel „Körpersprache aus der Perspektive von Maulana im Masnavi-ye Manavi“ (1389) untersucht, und zwar nicht im Hinblick auf Sprache und Rede, sondern in seinen Gesten und Hinweisen. Dieser Artikel ist aus dem Grund bedeutend, weil er sich neben Wörtern in Form von Sätzen und Aussagen auch mit der Frage menschlicher Beziehungen und die Verbindung zwischen ihnen in anderen Aspekten der Sprache befasst, einschließlich der Sprache in Form der Beobachtung von Körperbewegungen und …  Auf diese Weise können wir verstehen, dass das Element der Solidarität zwischen Menschen vor allem in der physischen und psychischen Struktur der Menschen verwurzelt ist. Daher sind menschliche Beziehungen bereits in die evolutionäre Struktur der menschlichen Existenz eingebettet. „Rumi glaubt, dass die Körpersprache ehrlicher ist als die verbale Sprache. Er glaubt, dass es Menschen gibt, die sich gestikulierend als etwas zeigen, was sie nicht sind, und mit diesem Vorwand versuchen, andere zu täuschen. Man erkennt sie an ihrer Körpersprache (459).

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Quelle: SPEKTRUM IRAN 36. Jahrgang 2023, Heft 3/4

http://spektrum.irankultur.com/?p=3745&lang=de

 

[1]. Alireza Omidbakhsh, Assistenzprofessor an der englischen Sprache und Literatur, Allameh Tabataba’i Universität, Tehran, Iran, E-mail: alirezaomidbakhsh@gmail.com.

[2]. Fazel Asadi Amjad, Professor an der englischen Sprache und Literatur, Kharazmi Universität, Tehran, Iran, E-mail: asadi@khu.ac.ir.

[3]. Mohammad Reza Yarahmadi, Doktorand der englischen Sprache und Literatur, Islamic Azad Universität, Boroujerd Branch, Lorestan, Iran, E-mail: yarahmedi@gmail.com.

[4]. Obwohl dies keine weit hergeholte Aussage ist, stellt sich die Frage: Wo liegt der Ursprung der Sprache selbst?

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