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Die Islamische Revolution im Iran und der Kampf um die Souveränität

Dr. Markus Fiedler | Eine große Errungenschaft der Islamischen Revolution im Iran von 1979 ist die Herstellung und Bewahrung der nationalen Souveränität und Würde des Landes. Das ist gerade in unserer Zeit von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung. 

Was vor allem vielen politisch Engagierten aus dem linken Lager offenbar nicht bewusst ist: Ein erfolgreicher Regime Change bzw. der Sturz des derzeitigen politischen Systems hätte unweigerlich zur Folge, dass in Teheran ein Marionettenregime von Washingtons Gnaden entstehen würde, was unweigerlich den Verlust der politischen Souveränität nach sich ziehen würde. Man hat nicht die Wahl zwischen dem derzeitigen und einem besseren „Regime“, sondern nur zwischen der Islamischen Republik und einem Marionettenregime. Um das zu verstehen, müssen wir in der Geschichte etwas zurückblättern.

Der Iran im Griff des britischen Empire

Die Erdölförderung im Iran wurde von Anfang an von ausländischen Mächten kontrolliert. Seit der ersten erfolgreichen Erdölbohrung im Iran 1908 kontrollierte die BP (British Petroleum, vorher AIOC) die iranische Erdölförderung. Die Gewinne flossen daher hauptsächlich nach London und verblieben nicht im Iran. Die amerikanische Historikerin Nikki Keddie drückte dies wie folgt aus: „Die AIOC bezahlte viel mehr Geld in Form von Einkommenssteuer an die britische Regierung als in Royalties an die iranische Regierung.“[1] Nachdem das iran. Parlament am 15.3.1951 das Erdöl nationalisierte, reagierte Großbritannien mit einer völkerrechtswidrigen Seeblockade der iran. Häfen.

Der CIA inszenierte Putsch gegen Mossadegh

Daraufhin wählte das iran. Parlament am 28.4.1951 Mohammed Mossadegh zum Premierminister. Mossadegh war bereit, den großen Erdölkonzernen die Stirn zu bieten und die Nationalisierung des Erdöls zu verteidigen. Er flog sogar in die USA, weil er hoffte, deren Unterstützung im Kampf gegen die Briten zu erhalten. In einer Rede vor der UNO am 15.10.1951 machte er deutlich, dass Erdöl der wertvollste Rohstoff des Landes sei und benötigt würde, um die Bevölkerung aus der Armut zu führen. In seiner Rede bemerkte er auch: „Der Sicherheitsrat ist nur dann ein Refugium für schwache Staaten, wenn die mächtigen Staaten die Prinzipien der UNO achten.“. Hinter den Kulissen arbeiteten Briten und Amerikaner bald am Sturz von Mossadegh. Auf Anweisung von Präsident Eisenhower bewilligte CIA-Chef Allen Dulles 1 Million Dollar für Aktivitäten zum Sturz von Mossadegh.[2] Durch das Buch von Kermit Roosevelt, der damals bei der CIA tätig war, können wir uns heute ein klares Bild von Organisation und Verlauf dieses Umsturzes machen.[3] In der sogenannten „Operation Ajax“ kidnappten und erschossen vom CIA geschmierte Iraner zunächst den Teheraner Polizeichef General Afshartus, einem Unterstützer Mossadeghs. Mit anderen Generälen nahm man Kontakt auf, um deren Unterstützung zu gewinnen. Kermit Roosevelt reiste zu Schah Mohammed Reza Pahlavi und forderte die Entlassung Mossadeghs, andernfalls würde seine Dynastie beendet werden.[4] So war es damals um die Souveränität des Landes bestellt. Mossadegh bekam seine Entlassungsurkunde, doch er wandte sich in einer Radioansprache an das Volk und sprach von einem Staatsstreich. Am 19.8.1953 stürmten vom CIA finanzierte Banden das Armeehauptquartier und die Polizeizentrale. Wie skrupellos dabei vorgegangen wurde, zeigen auch „False-Flag“-Anschläge, bei denen Muslime getötet wurden, um die Schuld an den „Unruhen“ letztlich Kommunisten in die Schuhe zu schieben.[5]

Warum wurde hier so ausführlich auf diesen Umsturz eingegangen? Der deutsche Nahostexperte Michael Lüders bezeichnete diesen Umsturz als „Sündenfall“: „Ohne Putsch 1953 keine Islamische Revolution 1979. Diese Einsicht fällt der amerikanischen Politik noch immer schwer.“[6] An dieser Stelle kann nicht auf die Ursachen der Revolution eingegangen werden. Der Putsch von 1953 hatte jedoch Folgen, die die Frage der nationalen Souveränität berühren und die Lösung durch eine Islamische Revolution nahelegen, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.

Die Folgen

Die westlichen Medien berichteten lediglich über Unruhen im Iran, die Handschrift der CIA beim Staatsstreich blieb unsichtbar. Eine der ersten Maßnahmen nach dem Sturz Mossadeghs war es, die Verstaatlichung des Erdöls rückgängig zu machen. Der Umsturz führte aber auch dazu, dass die USA in der Folge zur dominierenden Macht im Iran aufstiegen. Die USA forderten für ihre Unterstützung beim Putsch zunächst einen gleichwertigen Anteil des iranischen Erdöls. US-Ölkonzerne wie Esso und Golf Oil erhielten zunächst einen 40%-igen Anteil (wie die britischen Ölkonzerne). Doch nicht nur das. Die USA entsandten Militär, um die Armee des Schahs zu trainieren. Wie in Deutschland und anderen Ländern auch, die von der Anwesenheit des US-Militärs beglückt werden, durften US-Soldaten nicht vom iranischen Gesetz belangt werden. In Deutschland ist dies offiziell kein Grund zur Aufregung, doch in anderen Ländern und Völkern herrscht vielleicht eine andere Auffassung von nationaler Würde und Souveränität. Als der Schah 1964 ein derartiges Gesetz unterschrieb, sprach der schiitische Geistliche Ayatollah Khomeini von „Kapitulation“ und schrieb: „Wenn ein amerikanischer Offizier den Schah des Iran ermordet, können wir ihn nicht vor Gericht bringen.“[7] Khomeini wurde für diese Kritik vom Schah des Landes verwiesen und ging bis zu seiner triumphalen Rückkehr 1979 ins Exil.

Die Islamische Revolution von 1979

 Zweifellos errang der Iran nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 zum ersten Mal seine nationale Souveränität. Die ökonomische und militärische Dominanz der USA im Land wurde gebrochen. Bis zum heutigen Tag musste und muss diese Souveränität allerdings gegen alle Regime Change-Versuche der USA, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und erneut eine Marionettenregierung zu installieren, verteidigt werden. Daher untergräbt genau genommen jeder, der einen vom Ausland inszenierten Regime Change unterstützt, die Souveränität seines Landes und beteiligt sich an der Restauration der US-Hegemonie. Dem Land wurde gleich nach der Revolution weiterhin ein achtjähriger Krieg aufgezwungen. Am 22. September 1980 überfiel der Irak unter Saddam Hussein den Iran, wobeer die militärische, ökonomische und diplomatische Unterstützung der Supermächte USA und UdSSR und europäischer Staaten (wie Frankreich) genoss. Es gibt starke Indizien dafür, dass Saddam ein Angriff auf den Iran von der US-Seite nahegelegt wurde, wobei die günstige Situation und die momentane militärische Schwäche des Iran betont wurde.[8] So soll Zbigniew Bzezinski, Berater mehrerer US-Präsidenten, Saddam Hussein Ende des Jahres 1979 zu einem Angriff auf den Iran gedrängt haben, um sich die ölreiche iranische Provinz Khuzistan anzueignen.[9] Brzezinski selbst erklärte später, dass er nichts „irakisches Vorgehen gegen den Iran“ einzuwenden hatte.[10]

Die Souveränität musste allerdings auch in anderer Hinsicht verteidigt werden – und das konnte nur unter dem Banner der Islamischen Revolution und Losungen wie „Weder Washington noch Moskau, Islam ist die Lösung“ geschehen.

Die iranische Revolution von 1979 wurde von einer breiten Anti-Schah-Koalition unter der Führung von Ayatollah Khomeini angeführt.[11] In ihr vertreten waren Linke verschiedenster Couleur, von denen sich manche an der UdSSR und andere an Maos China orientierten. Es war klar, dass die unter einem Dach vereinten, zum Teil so unterschiedlichen Strömungen früher oder später in einen Konflikt über die Richtung der Revolution geraten würden. Anfang des Jahres 1979 gab es bewaffnete Gruppen der verschiedenen Richtungen im Iran. Bereits am 12. Februar ermahnte Khomeini die Menschen, „Sabotage, Diebstahl und Brandstiftung“ zu unterlassen und „jedes unislamische und unmenschliche Verhalten“ zu vermeiden.[12] Einen Tag später forderte er die Menschen im Land dazu auf, die Waffen abzugeben.[13]

Entscheidend für die Bewahrung der Souveränität war die Entschlossenheit Khomeinis, sich nach der Befreiung von der US-Hegemonie nicht in eine neue Abhängigkeit von Moskau oder Peking zu begeben. Westliche Sozialwissenschaftler konnten sich zur damaligen Zeit nur eine „sozialistische Revolution“ vorstellen. Diese hätte allerdings höchstwahrscheinlich in eine neue Abhängigkeit von Moskau gemündet (wie dies in Kuba der Fall war), ein viel größeres Blutbad angerichtet und das Land endgültig zerrissen. 

 

[1]     Nikki Keddie: Roots of Revolution 1981, S. 133

[2]     James Risen: Secrets of History: The CIA in Iran – A Special Report. New York Times, 16.4.2000

[3]     Kermit Roosevelt: Countercoup: The Struggle for the Control of Iran 1979

[4]     Vgl. ebenda

[5]     James Risen: The CIA in Iran. New York Times, 16.4.2000

[6]     Lüders, Wer den Wind sät 2015, S. 20

[7]     Khomeini, zitiert nach Ganser, Illegale Kriege 2017, S. 57

[8]     Vgl. Khan, Mansur: Die geheime Geschichte der amerikanischen Kriege 2001, S. 347 f.

[9]     Vgl. Clark, Ramsey, War Crimes – A Report on United States War Crimes against Iraq, New York 1992,  S. 63

[10]   Vgl. Smith, Jean Edward: George Bush’s War, New York 1992, S. 43

[11] Ahad Rahmanzadeh: Revolution und Re-Islamisierung im Iran. In: Mitteilungen des deutschen Orient-Instituts. Nr. 21. Hamburg 1984.

[12]   Ayatollah Ruhullah Khomeini, zitiert nach Azizi, The Shadow Commander 2020, S. 46 f.

[13]   Vgl. Azizi, The Shadow Commander 2020, S. 47

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