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Philharmonisches Orchester Teheran

Das erste europäische Orchester bereiste Persien noch zu Zeiten Naser al-Din Schahs. Im Jahre 1856 brachten zwei französische Musiker die erste militärische Musikkapelle aus dem Westen in den Iran. Zwei Jahre später wurde Jean Baptiste Lumierre zum Kapellmeister ernannt. Lumierres Bemühungen um die Verbreitung klassischer Musik gipfelten in der Etablierung einer Musikschule. Im Jahre 1869 gründeten 26 der ersten Absolventen dieser Schule das „Königliche Zahi-Orchester“.

Die Pioniere des Orchesters

Zu diesen Männern der ersten Stunde zählten Gholamhossein Minbashian und Salar Moazez, der bei so berühmten Lehrern wie Nikolai Rimski-Korsakow und Carl Flesch studiert hatte. Moazez gründete nach seiner Rückkehr in Persien das erste private Konservatorium und stellte mit Musikern aus dieser Schule und dem Stadtrat von Teheran zusammen mit Minbashian 1933 ein 40-köpfiges Sinfonieorchester zusammen. Dieses Orchester wurde der Grundstein des Teheraner Sinfonieorchesters. Mit Hilfe von zehn tschechischen Profi-Musikern, die am Konservatorium unterrichteten, konnte das Niveau bald gesteigert werden. Nach diesen Fortschritten brachten der Zweite Weltkrieg und seine Folgen alles zum Stillstand. Mit dem Einmarsch britischer und sowjetischer Truppen im Zuge der Anglo-sowjetischen Invasion Irans verließen nicht nur die tschechischen Musiker das Land.

1943 entstand das „Teheraner Sinfonieorchester“ durch die private Initiative und den Enthusiasmus von Parwiz Mahmud. Nachdem Mahmud 1946 zum Direktor des Konservatoriums ernannt wurde, besetzte er aus Musikern des Schulorchesters des Konservatoriums ein Sinfonieorchester.

Das Anjoman-e Filarmonik-e Tehran (Philharmonische Gesellschaft Teheran) wurde im November 1953 gegründet, getragen von einer gemeinnützigen Organisation. Alle Einnahmen aus Konzerten wurden vollständig für die Förderung der klassischen europäischen Musik verwendet. Ziel war die Heranbildung eines an klassischer Musik interessierten Publikums durch Konzerte, öffentliche Aufführungen, wissenschaftliche Vorträge über die Musikgeschichte und Musiktheorie, Aufbau einer Musikbibliothek und die Herausgabe einer Zeitschrift.

Zwischen 1963 und 1972 führte Heshmat Sanjari das Teheraner Sinfonieorchester zu einer ersten Hochblüte. Zu jener Zeit spielte das Orchester mit und unter der Führung von international bekannten Musikern wie Yehudi Menuhin, Zubin Mehta, Isaac Stern oder Herbert von Karajan, und es kam zu einer Trennung von Opernorchester und Sinfonieorchester. Das Orchester gab nicht nur Konzerte in Teheran, sondern auch in Abadan und Schiraz. In den späteren 1960er-Jahren wurden über 700 Konzerte mit ausländischen und iranischen Dirigenten aufgeführt.

Von 1991 bis 2005 übernahm Fereydun Naserin die Leitung des Orchesters. Am 17. und 18. April 2001 spielte das Kammerorchester Waidhofen/Ybbs unter der Leitung von Wolfgang Sobotka als erstes westliches Orchester seit der Revolution in der ausverkauften Vahdat Concert Hall (früher Rudaki-Halle) Werke von Khohei, Beethoven, Johann Strauß (Sohn) und Nader Mashayekhi. Seit April 2006 hat das Tehran Symphony Orchestra mit Nader Mashayekhi einen neuen ständigen Chefdirigenten.

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