Iran und Corona | Dr. Hamid Mohammadi im Interview mit dem Muslim-Markt

Das deutschsprachige Internetportal Muslim-Markt interviewte den iranischen Kulturrat Dr. Hamid Mohammadi zu der aktuellen Corona-Krise und der Situation der Krisenbewältigung im Iran.

Das Interview:

Dr. Hamid Mohammadi ist 1962 in Teheran geboren. Seine Ausbildung führte ihn an die Universität Teheran, wo er sein B.A. in Politikwissenschaft absolviert hat. In der Folge schrieb er seine Masterarbeit an der Kommunikations- und Medienfakultät über soziale Kommunikation. Seine Doktorarbeit (Ph.D.) erfolgte im Bereich Sozialkommunikationswissenschaften.

Zu seinen beruflichen Stationen gehören unter anderem Kulturrat der Islamischen Republik Iran in Belgrad, Generaldirektor des Entwicklungs- und Unterrichtszentrum für wissenschaftlich-kulturelle Zusammenarbeit ICRO, Präsident und Vorsitzender des Verwaltungsrates des Touring und Automobil-Clubs der I.R.Iran, Kulturrat der I.R.Iran in Ottawa (Kanada), Vorsitzender der nationalen Hadsch- und Pilgerorganisation, stellvertretender Minister für Kultur und islamische Führung. Seit 2019 ist er Kulturrat der Islamischen Republik Iran in Berlin.

Im Laufe seiner Tätigkeiten war er an zahlreichen wissenschaftlich-kulturellen Aktivitäten beteiligt und hat sich von der Entwicklung des Kulturaustauschs im ehemaligen Jugoslawien bis hin zu aktuellen Kulturratskonferenzen eingebracht. Er engagiert sich auch im Kulturaustausch der Religionen und hat die deutsche Übersetzung des Buchs Jesus in der Nacht der Herrlichkeit gefördert.

Dr. Hamid Mohammadi ist verheiratet, Familienvater und lebt zur Zeit in Berlin.

MM: Sehr geehrter Herr Kulturrat Dr. Hamid Mohammadi, zunächst einmal wünschen wir Ihrem Land alles Gute bei der Bewältigung der Corona-Krise, wie ist die aktuelle Situation im Iran?

Dr. Mohammadi: Auch ich wünsche mir, dass alle Länder diese Krise überwinden. Ich wünsche dem deutschen Volk und allen Menschen der Welt gute Gesundheit. Iran gehörte zu den ersten Ländern, die durch entschiedene Maßnahmen versucht haben, der Gefahr mit vernünftigen und verhältnismäßigen Maßnahmen entgegenzutreten. Sie wissen, dass die Corona-Krise die ganze Welt erobert hat und alle Länder dagegen kämpfen. Die Situation im Iran ist jedoch ganz anders. Sie können auch sehen, dass die Corona-Krise das normale Leben selbst in entwickelten und reichen Ländern völlig gestört hat. Im Iran ist die Situation jedoch viel schwieriger. Die Regierung und das medizinische Personal versuchen selbstlos und von ganzem Herzen, die Menschen zu retten, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, aber die unmenschlichen und unterdrückenden US-Sanktionen, die gegen alle internationalen Regeln und Vorschriften verstoßen, haben verhindert, dass Medizin und medizinische Ausrüstung den Iran erreichen. Tatsächlich ist das Corona-Virus mit dem unterdrückenden Trump-Sanktions-Virus verflochten, wodurch wehrlose Menschen getötet werden.

Aber auch unter diesen schwierigen Umständen hat das iranische Volk mit seinem Glauben und seinem Einfühlungsvermögen Schönheiten geschaffen, die Ihresgleichen suchen und an anderen Orten selten zu sehen sind. Trotz der anti-humanitären Sanktionen der USA und des Mangels an Medikamenten und medizinischen Einrichtungen führte das Mitgefühl und die Zusammenarbeit der Menschen mit dem medizinischen Personal dazu, dass sich der Iran heute in einer stabilen und krisengeschützten Situation befindet.

MM: Wie hat sich denn die Corona-Pandemie auf das Alltagsleben ausgewirkt.

Dr. Mohammadi: Die Corona-Krise hat die normalen Bedingungen in allen Ländern völlig gestört. Soziale Distanz ist für den Umgang mit Corona unerlässlich und stoppt viele Aktivitäten. Der Iran war keine Ausnahme. Aber wie ich bereits erwähnte, haben die geduldigen Menschen im Iran unter den schwierigen und bitteren Bedingungen der Corona-Krise Schönheiten geschaffen, von denen ich einige Beispiele erwähnen werde. Gerade vor wenigen Tagen hat eine englischsprachige Gruppe junger Gelehrter aus Qum einen Film über den Alltag veröffentlicht. Darin kann man zwar einige Dinge sehen, die wir so vorher nicht gekannt haben, aber die Supermarktregale sind bei uns nie leer gekauft worden. Das heißt, Menschen, die strengen US-Sanktionen ausgesetzt waren, sind nie in den Laden geeilt. Während Geschäfte in vielen Ländern gleichzeitig geleert wurden, stürmten die geduldigen Menschen des Iran nicht die Geschäfte. Im Iran sind die Geschäfte nicht leer und der tägliche Einkauf läuft normal. Gott sei Dank hat der Iran in den Jahren der größten Sanktionen der Menschheitsgeschichte gelernt sich selbst zu versorgen und hat auch dementsprechend eine unabhängige Logistik, die nicht vom Ausland beeinflusst werden kann.

Das vollständige Interview kann unter folgendem Link aufgerufen werden:

http://www.muslim-markt.de/interview/2020/mohammadi.htm

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